" /> Simply-Ideas. Aus New York City, Texte, Geschichten, Erlebnisse, Fotos, Fantasien und anderes: December 2005 Archives

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Die falsche Richtung
Der Cop auf dem Fahrrad drängt den Asiaten, einen Fahrradkurier, brutal an den Gehsteigrand.

"Du kommst aus der falschen Richtung." zischt er.

Der Chinese zuckt mit den Schultern. "Du bist aus der falschen Richtung gekommen." wiederholt der Cop. Die chinesischen Schultern zucken abermals.

Der Cop schaut sich um. Er ruft einen chinesischen Strassenhändler zu sich. "Sprichst du englisch?" Die chinesischen Schultern zucken. Der Cop schüttelt den Kopf.

Ein junger Chinese im Anzug und Aktentasche kommt des Weges. Der Cop spricht ihn an. "Kannst du meine Worte auf Chinesisch übersetzen?" Der junge Mann mustert den Fahrradkurier, der mit gesenktem Kopf da steht und danach den Strasenhändler, der ihn unschuldig anblickt. Er schaut dem Cop ins Gesicht und lässt seine chinesischen Schultern zucken.

In diesem Moment geht auf der anderen Strassenseite eine Schlägerei los. Der Cop lässt von den drei Asiaten ab und überquert eiligen Schrittes die Strasse. Die drei Chinesen schauen sich an, nicken sich zu und gehen ihres Weges. "Made in China" mehr und mehr präsent in den Vereinigten Staaten.

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Was tragen Sie von ihm?
Alle Währungen Willkommen. Mille grazie, Giorgio.

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New York inspiriert
Hier in Manhattan bin ich regelmäsig sechs oder mehr Stunden unterwegs. Oft mit der Kamera oder dem CamCorder. Viele male ohne Gadgets, nur mit meinem Spürsinn.

New York ist die Bühne des Welttheaters. Die Bühnenbilder stehen an jeder Strasse und an den Avenues, drei bis fünfstöckig oder bis in den Himmel ragend. Jeden Tag werden sie verändert, leicht nur, für ein neugieriges Auge jedoch immer erkennbar. Je nach Tageszeit wirken sie freundlich bis beunruhigend. Die Jahreszeiten präsentieren die Bühne mit jedem neuen Vorhang von einer ganz anderen Seite. Sie geben den Akteuren die Gelegenheit, ihren Akt umzudenken, zu variieren oder ganz neu zu starten.

Die Akteuere erwachen in dieser Stadt, kommen von ausserhalb oder aus der Ferne. Alle bringen ihre Rolle mit. Hier werden sie motiviert und manipuliert mitzuspielen.

Es macht mir Spass diese Beobachtungen aufzuzeichnen. Bilder zu kreieren, die nur ich sehe und welche mir als bemerkenswert erscheinen. Nicht aus Eitelkeit, sondern als Dokument des Augenblicks der sich nie wiederholen wird. Dies, weil das Leben nicht auf uns wartet oder auf uns warten kann, sondern weil es wunderbarerweise alles um uns mit jeden frischen Augenblick neu kreiert. Bis zum nächsten Augenblick.

Die Texte fallen mir an einfach in den Schoss. Ob Unsinn, Ernsthaftes, Nachdenkliches oder Absurdes, alles soll hier einen Platz haben. Wie in einem Bazaar.

Viel Spass,
Peter Kunz
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Schauen Sie einmal da rein:
"The Swiss"

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Roger, spann uns länger auf die Folter
Dein Spiel raubt mir den Atem. Die Spannung reisst mich aus dem Sessel. Deine Eleganz begeistert mich. Es ist so unerträglich schön, dir zuzuschauen.

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Beweg dich
Die Spaghettis warten auf uns.

Lust, Fantasie oder Verstand?
Drei herrlich glänzende Erdbeeren lachen mich an. Ihre rote Farbe leuchtet mir freudig entgegen.

Der weisse Boden, auf dem sie sitzen, lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen. "Greif zu" flüstert die Lust mir zu. "Stell dir vor, wie süss sie schmecken", unterstützt sie die Fantasie.

Nun meldet sich noch der Verstand: „Pass auf, denk an dein Gewicht und an Deine Gesundheit. Da ist viel Fett drin, das den Cholesterinspiegel erhöht!".

„Der Zucker tut Deinen Zähnen nicht gut. Karies und Zahnfleischentzündungen sind die Folgen. Lass es lieber!"

Mein Herz setzt sich liebevoll zwischen die beiden Argumente. „Schaut mal, jemand hat diese Torte mit viel Liebe gemacht. Verdient nicht schon allein die Dekoration Euren Applaus? Wollt Ihr dem Pattissier tatsächlich die Freude vergällen?"

Könnte nicht ein Schnitte davon Dich glücklich machen? Mit Kaffee oder Tee und ohne saures Gewissen? Und nach Hause gehst du einfach zu Fuss.

Vielen Dank mein Herz, Deine Lust und Fantasie!

© 2005 Peter Kunz

Asphalt Kau-Boy
Meine Gedanken kreisen um einen Café au Lait, einem getoasteten Baguette und einem . . .

ups, was ist denn das?

Mein rechter Fuss klebt auf dem Gehsteig.

Mit aller Kraft ziehe ich ihn weg. Zwischen Asphalt und meiner Schuhsole spannen sich klebrige Fäden. Aha, das ist die Kombination von Zucker, Polyisobuten, Aluminiumoxyd, Kieselsäure oder Zellulose, zusammen mit einem Weichmacher und wahrscheinlich auch Feuchthaltemittel und Antioxidantien, durchmischt mit Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren. Scheusslich!

Ich ziehe nochmals. Die Verbindung zum Boden reisst ab. Jetzt nur nicht zurück auf den Asphalt. Auf dem linken Fuss balancierend, gedanklich nahe der Lösung für meine Misere, hüpfe ich zur nächsten Strassenlaterne. Die gibt mir Halt, um einfüssig der klebrigen Masse Zeit zu geben, um zu trocknen.

Es dauert eine Weile. Dieses widrige Monster zeigt mir seinen schlechten Charakter und bleibt einfach kleben. Was ist der Trick, es los zu werden? Der Gedanke an Café au Lait und einer mit Marmelade bestrichenen Baguette geben mir die erforderliche Kraft, mich zu befreien. Geschafft! Die Masse bleibt am scharfen Gehsteigrand kleben.

Hallo Café und Baguette, ich komme.

Wer hat den Kaugummi erfunden?

„Was ist denn geschehen?", fragt mich George, der Bistro-Besitzer. Welch herzhaftes Lachen uns die Geschichte beschert.


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Der Zweitleser
Wer bezahlt das Abonnement?
Mobilphonecamera

Heute keine Parkgebühren
Der Obdachlose überquert die Strasse. Regen prasselt auf seinen feuerroten Regenschutz.

Er geht auf den Mann zu, der neben einer Parkuhr steht. Den Regenschirm zwischen Schulter und Wange geklemmt, versucht er den Schlitz mit Kleingeld zu füttern.

„Vergiss es!", sagt der Obdachlose. „Heute werden die Parkuhren nicht kontrolliert. Wenn's regnet, sitzen die in David's Café und spielen Poker."

Der Mann schaut ihn ungläubig an und blickt zum Himmel. Er hält einen Moment inne und drückt dem Obdachlosen das Geld in die entgegengestreckte Hand.

Ausgleichende Gerechtigkeit.

© 2005 Peter Kunz

Das grosse Sonntagsinterview
Applaus, Applaus

Lieber Gott, ich begrüsse dich im Namen aller Zuschauer, denen im Saal und denen zu Hause vor dem Fernseher.

Herzlich Willkommen.

Danke schön! Applaus, Applaus - danke schön - Applaus

Da dich alle Zuschauer kennen, muss ich nicht viel über dich erzählen.

Meinst Du wirklich?

Ja, ich glaube schon. Dich kennt doch jeder Knirps.

Gut, ich schätze es, so bekannt und beliebt zu sein.

Darf ich mit der ersten Frage beginnen, lieber Gott?

Ja, sicher, mach es dir einfach. Ich bin sehr umgänglich.

Sag mal, wie bist du eigentlich hierher gekommen?

Habe nicht ganz verstanden. Hast du gefragt, warum ich hierher gekommen bin?

Nein, äh, eigentlich ja.

Also, das ist einfach zu beantworten. Ich bin hier, um euch meine grenzenlose Liebe zu schenken.

Ah, das finde ich toll von dir.

Weisst du, schenken macht mir Freude.

Sag mal, was hältst du eigentlich von uns Menschen?

Ist das nicht eine Frage, die Ihr selber beantworten müsstet?

Vielleicht schon, aber deine Meinung ist uns wichtig.

Traust du dir die Antwort nicht zu?

Doch, doch, no Problem.

Also, sage es uns.

Okay, siehst du, es ist so. . . Also, hmm . . . eigentlich. . . Ich glaube, wenn . . .

Leider müssen wir dieses äusserst interessante Interview abbrechen. Das Finale der Fussball-Weltmeisterschaft steht an.

Vielen Dank für's zuschauen und bis zum nächsten Mal.

© 2005 Peter Kunz

Der Vogel, der mit dem Bus tanzte
Im Bus sitzt er neben mir und schaut mir frech ins Gesicht.

„Was für ein sympathischer Kerl", sage ich mir. Seine Augen leuchten schelmisch. Dann blickt er weg, blickt zur Decke und wieder zu mir.

Er treibt das Spiel eine ganze Weile. Auf seiner Schaukel balanciert er den federleichten Körper mit den Bewegungen des Busses. Er putzt seine Federn, betrachtet die Umgebung und genehmigt sich gelegentlich ein Körnchen.

Wiederum richtet er den Blick zu mir, als wollte er sagen „Gäll, das chasch halt nöd!" Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

Tatsächlich, der Vogel tanzt mit dem Bus und amüsiert sich köstlich. Locker hüpfen sie über die Schlaglöcher. Und er vermittelt mir eine kleine Weisheit: Geniesse den Moment, nimm ihn so wie er ist. Manchmal liegt sogar ein Tänzchen drin.

© 2005 Peter Kunz