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Gino Moretti, der Italiener
Der elektrisch angetriebene Rollstuhl steht an der Strand-Promenade. Sein Fahrer, etwa um die 60, spielt mit dem Steuerknüppel.
Er wendet den Rollstuhl mehrere Male nach links, dann nach rechts und schliesslich in Richtung zum Ozean.
"Heute Abend sind die Wellen hoch. Da kommt etwas auf uns zu", murmelt er vor sich hin. Aufmerksam höre ich ihm zu. Mitleid übermannt mich.
Er blickt mich an und sagt, "Ich bin Gino Moretti aus Genua. Dieser Strand ist meine zweite Heimat geworden."
"Armer Kerl und ganz allein", sagt mir mein Mitleid.
Plötzlich dreht er seinen Rollstuhl nach links und ich sehe, wie er drei jungen Frauen nachschaut. "Das Fahrzeugs ist sehr wendig", bemerke ich. Sein stolzes Lachen lässt mein Mitleid etwas reduzieren.
"Mein Rollstuhl ist 6 Jahre alt und hat einiges gekostet."
Der sähe ja wie neu aus, erwidere ich ihm. "Ja ja, ich habe ihn letztes Jahr das erste mal hervorgenommen. An jenem Tag war es fürchterlich heiss. Seither sind wir unzertrennlich."
Er lacht wieder. Diesmal spitzbübisch. "Ich spare das Taxi und den Bus. Ich fahre direkt ins Restaurant und an meinen reservierten Tisch. Das ist praktisch. Ich fahre zum Super-Markt, zur Toilette und ans Bett".
Mein Mitleid löst sich langsam auf.
Stolz führt er mir die 5 Gänge vor. "Der Wagen bremst automatisch, sobald ich den Steuerknüppel los lasse. Das ist praktisch. Sollte ich einmal in Ohnmacht fallen, steht er automatisch still".
Armer Kerl, denke ich wieder.
"Wir müssten alle so einen Rollstuhl haben, das Leben wäre viel angenehmer. Man schwitzt nicht mehr".
Ich sehe, wie er beim Erzählen seine Beine in die Höhe wirft. Er schaut mich an und schmunzelt. "Ja, du hast richtig gesehen, ich könnte schon gehen, aber ich mag nicht".
Er lacht, wie Gino Moretti eben lacht und fährt mit 20 km/h davon. Mit ihm verschwindet auch mein Mitleid und macht einem Schmunzeln Platz.
Mit einer schönen Geschichte im Kopf, schlendere ich zufrieden nach Hause.
© 2005 Peter Kunz