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Gestresst
Gehe ich doch zu Fuss nach Hause, dachte ich.
Meine grauen Hirnzellen arbeiten auf Hochtouren: unerledigte Projekte, Termine, Einkauf für das Abendessen.
"Doch nicht so", sagt mir mein Kopf und streikt. Meine Gedanken haben sich unkontrolliert ineinander verstrickt und streiten darum, wo mehr Hirnzellen für ihre Denkarbeit zu ergattern sind. Ein unkontrolliertes Chaos herrscht in meinem Kopf.
Die Schultern verspannen sich, die Hände ballen sich zu Fäusten und selbst mein Atem entsinnt sich nicht mehr seiner Aufgaben. Also so rasch wie möglich heim. Huup, huup, schreckt mich eine Autohupe auf. Das unausweichliche "Idiot, kannst du nicht aufpassen" bringt meine Gedanken noch mehr durcheinander. Jetzt meldet sich mein Instinkt, der mir empfiehlt, nicht zu reagieren. Ich halte inne, nehme einen tiefen Atemzug und lasse die Schultern hängen.
Der Tag war schon den ganzen Tag lang angenehm warm, der Himmel blau, gefüllt mit grossen Wolkenballen. In diesem Augenblick bemerke ich es und lasse mich einfangen. Unablässig folgen meine Augen den weissen, aufgequollenen Wolken, die sich harmonisch vom Blau des Himmels ablösen. Nun bewege ich mich in einer anderen Welt und lasse mich darauf ein. Lockeren Schrittes nehme ich den Weg unter die Füsse.
Meine streitenden Gedanken haben sich gemässigt, meine Schritte sich verlangsamt, der Atem sich harmonisiert und der Kopf sich entspannt.
Und das Fazit der Geschichte: Kann ich mich gleichzeitig mehreren Gedanken widmen? Nein, es ist den Stress nicht wert. Schau in den Himmel, geniesse den Moment! Die Energie, die Du dabei tankst, entwirrt Deine Sinne und lässt Neues entstehen.
Ein Blick zum Himmel lohnt sich.
2005, Peter L. Kunz