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Eine starke Idee
Neugierig wie ich bin und dank meinem guten Gehör, verfolgte ich gestern in Bus eine interessante Geschichte. Hört gut zu!

Vor einigen Jahren kaufte Donald Trump ein mehrstöckiges Haus am Central Park.

Die Mieter, alles Millionäre, bezahlten seit 3 Jahrzehnen einen fixen und sehr niedrigen Mietzins. Rent Control, heisst diese städtische Regelung. Kein Hausbesitzer darf den Mietzins erhöhen, ausser ein alter Mieter zieht aus und neuer Mieter zieht ein.

Diese Bewohner konnten vom Wohnzimmer aus den Park sehen. Für ihre Spaziergänge mussten sie nur die Strasse überqueren.

Trump plante, die Wohnungen luxuriös auszubauen und an reiche New Yorker zu verkaufen. Den Mietern bot er viel Geld, wenn sie ausziehen würden.

Diese reagierten überhaupt nicht. Sie hatten doch schon alles, ein grosses Bankkonto, eine schöne Wohnung und diese wunderbare Aussicht. Auch die zweite und dritte Offerte ignorierten sie.

Trump liess daraufhin ein Baugerüst errichten und mit einer Kunststoffblache abdecken. Damit wollte er den Mietern die Lust am Haus verderben. Scheusslich, nicht wahr?

Die fanden jedoch eine Lösung für ihr Dilemma. Sie präsentierten einem Künstler eine Idee, der sie für einen fünfstelligen Betrag realisierte. Es musste ein Kunstwerk geworden sein.

Denn niemand zog aus. Die Zeit verging, die Blache nahm Patina an. Staub, schmutziges Regenwasser und Russ klebte an ihr. Sie machte einen armseligen Eindruck.

Trump wartete und wartete, nichts passierte. Nach ereignislosen Wochen, wollte er endlich wissen, warum niemand auszog. Er sandte einen seiner Mitarbeiter zum Objekt. Der kam ohne Ergebnis zurück.

Das zweite Mal wurde er fündig. Er berichtete seinem Chef, dass die Bewohner, trotz der Blache, den Park sehen könnten. Trump konnte das nicht fassen und wollte es mit eigenen Augen sehen. Als er auf dem Baugesrüst stand, staunte er.

Der Park war in hellen und leuchtenden Farben auf der Innenseite der Blache aufgemalt. Trump gab auf. Ihm hatte es nicht geschadet, er ist mit anderen Objekten noch wohlhabender geworden.

Dank Ihrer Inspiration, haben die Mieter das Abenteuer überstanden. Sie wohnen immer noch dort und die Sicht auf den Park ist farbiger denn je.
Inspiration macht das Leben bunt.

Alles rollt bestens
Auf dem Gehsteig vor mir kämpft Susana, Latina (66) - ich kenne sie von meinen Busfahrten -mit dem Schaltknüppel ihres Rollstuhls.

Das Gefährt dreht sich wie ein wilder Mustang um seine eigene Achse. Er scheint nicht geneigt zu sein, die Richtung seiner Fahrerin einzunehmen. "Kann ich helfen, Susana?". Frustriert schaut sie mich an: "Nein danke, ich komme schon klar". Offensichtlich will sie das Rodeo ohne meine Hilfe gewinnen.

In der Garage gegenüber bitte ich dennoch den Mechaniker um Hilfe. Wir überqueren die Strasse und sehen Susana neben ihrem Mustag stehen. Wütend rüttelt sie daran, zerrt und tritt mehrmals gegen ihn. "Wie ist denn das geschehen?" erkundige ich mich nach ihrer Wunderheilung. Schon sehe ich mich mit meinem Interview in den Schlagzeilen der New York Post.

"Was heisst da Wunder? Ich bin gut zu Fuss. Die Sozialhilfe zahlt zu wenig. Mit einer Lähmung rollt mehr Geld. Sie übernimmt Kosten und Unterhalt für das Gefährt. Ich bin motorisiert und mache bezahlte Botengänge und erst noch steuerfrei."

"Ist sie etwa mit Gino Moretti verwandt", geht es mir durch den Kopf. Inzwischen hat der Mechaniker das Fahrzeug instand gesetzt. Ich atme auf. "Ciao Susana", rufe ich ihr zu und gehe meines Weges. Instinktiv blicke ich zurück. Was sehe ich denn da? Susana drückt dem Mechaniker eine 20 Dollar-Note in die Hand und sagt "Ciao Papi".

Feuer! Feuer!
"Halt, warten Sie einen Moment!", fordert mich der Feuerwehrmann auf dem Gehsteig auf.

"Unser Feuerwehrauto muss zurück ins Depot." Auf meine Frage nach der Ursache des Einsatzes, antwortet er, "Wir kommen von einer Rettungsaktion zurück." Er scheint enttäuscht zu sein, seine Antwort klingt emotionslos.

"Immer noch besser als eine Feuersbrunst", erwiedere ich ihm. "Oh nein, ich liebe Feuer", lacht er fröhlich. Er lebt auf. Seine Augen leuchten. Irritiert schaue ich ihn an und bemerke wie sein Gesicht Feuer-Rot wird. "Zündet der am Ende Häuser an?", fährt es mir durch den Kopf.

© 2006 Peter Kunz