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Ich muss an die frische Luft

Mein Kopf brummt, die Worte stauen sich, der Text steht still. Raus aus dem Haus.

Aha, dieses Bistro ist neu." Neugierig betrete ich das Lokal, das auf meinem Weg liegt. Gleich vierstimmig und sehr herzlich werde ich begrüsst. "Falafel, griechischer Salat, Schischkebab" verspricht mir die gereichte Speisekarte.

Eigentlich wollte ich einen Espresso, aber warum nicht Salat?
Gesagt, getan. Und ein Glas Weisswein. Schon bald steht das Gericht auf dem Tisch. Ich sehe mich um. An der Theke sitzt die Wirtin und schaut ihrem Sohn zu, der zeichnet.

Der Salat schmeckt. Mit vollem Mund hebe ich den Kopf und in Umrissen nehme ich einen Zylinder auf schwarzem Anzug wahr. Ein Zauberer? Unbemerkt ist er aufgetaucht und ist im Begriff, die Serviertochter zu verzaubern.

Kaum bin ich am nächsten Bissen Fetakäse angelangt, hat er aus kleinen bunten Ballons eine Krone gezaubert und ihr auf den Kopf gesetzt. Sie lacht.

Eine Tomate, einen Schluck Wein. Der Wirt steht mit grünem Hut und einer dicken, roten Nase hinter der Theke. Das Lokal füllt sich mit Gelächter und ich ersticke beinahe an meinem Salat.

Der Zauberer mit schwarzem Zylinder bläst die Ballone in einem Atemzug voll, zieht und drückt, schlägt sie auf sein Knie, wirft sie in die Luft und fertig ist sein neues Werk. Flugs sitzt es auf dem Kopf der Wirtin: ein Hut mit Feder und um den Hals eine Halskette.

Noch ein Stück Gurke auf die Gabel und schon hat der Junge einen Säbel in der Hand. Ich schlucke einmal und bereits sitzt ein Helm auf seinem Kopf. Und im Nu hält er einen Schild in der anderen.

Plötzlich wird er lebendig und rennt hinter unsichtbaren Kriegern hinterher. Er jagt sie durch das Bistro und zur Tür hinaus. Ich zahle und gehe lachend nach Hause. Was für ein Zirkus, das Leben hat ein Streichholz angefacht und mir eine Geschichte geschenkt.
Vielen herzlichen Dank.

Gino Moretti - Ich liebe ihn

Seine Verschmitztheit und seine Offenherzigkeit haben es mir angetan.

Er steht am gleichen Ort, wo ich ihn das erste Mal angetroffen habe. Er schaut zum Meer hinaus. Ein Kreuzfahrtschiff gleitet an uns vorbei. Ein eleganter, weiss flimmernder Fleck, der das dunkle Blaugrün des Wassers mit dem Hellblau des Himmels verbindet.

Hallo Gino, wie geht es dir?

Danke, ausgezeichnet, ich träume gerade von einer Schiffsreise. Stell dir vor, ich stehe mit meinem Rollstuhl am Pool und schaue den Girls zu. Sie flirten mit mir und sind von meiner Harmlosigkeit überzeugt. Von wegen, ha, ha, ha. Wir drinken, plaudern und lachen. Wie gefällt dir das?

Ich mag es dir gönnen, geniesse es.

Ich rufe sie bei beim Vornahmen und erhalte Ihre Telefonnummern. Sie suchen mich nachts in der Kabine auf, wo ich dann meinen Charme spielen lasse. Man weiss ja nie.

Er zwinkert mit einem Auge und schmunzelt schelmisch: "Nur eine Sorge habe ich" und schaut mir qualvoll ins Gesicht, "mein Rollstuhl kann alles, nur nicht schwimmen".

Er lacht aus vollem Hals dreht sich zwei mal im Kreis herum und fährt davon.