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Ueli in der Wüste

Ueli sitzt in der Economy Class. Das Aktendossier Gaddhafi im Schoss. Er nimmt die Brille ab und schaut aus dem Fenster. Sand, Sand, Sand soweit er sieht.

"Wo sind die Kühe?" geht es ihm durch den Kopf. "Geissen, Sennenhunde oder Berge?". Nichts, weit und breit.


"Ja also dänn, das nehme ich auch so in die Hand", murmelt er militärisch vor sich hin.

Die Maschine überfliegt jetzt Tripolis in Richtung Airport. Ueli packt sein Dossier ein und macht sich bereit zum anschnallen.

"Anschnallen", hat der Chrischtoph ihm eingebläut. "Wenn Du mit Fremden zu tun hast, schnall den Verstand an und halte Dein Portemonnaie im Hosensack fest. Nie loslassen, sonst passierts. Kannst denen nicht trauen.

Ja, jetzt ist er das erstemal in der Fremde. "Ohä lätz, potz nomal, das mues grad mir passiere. Da triff ich ja grad die wo mer wieder hei gschickt händ".

"Mal luege". Er geht nach vorne zum Ausstieg.

Die Stewardess öffnet die Cockpit-Tür. Grelles Licht schlägt ihm entgegen.

Er steigt die Treppe herunter und steht plötzlich vor einem vermummten Mann. Reflexartig hebt er den linken Arm vor den Kopf um sich vor einem allfälligen Schlag zu schützen. Die rechte klammert sich instinktiv um sein Portemonnaie im Hosensack.

"Welcome Ueli", sagt eine rauchige Stimme. Der Mann mit der Stimme hält ihm die rechte Hand zum Gruss hin. Ueli zögert. Seine rechte krallt sich um das Portemonnaie. Schweiss läuft über seine Stirne. Der Inhalt seines Portemonnaies zieht vor seinen geistigen Augen vorbei.

Das Bus Abo, das Bahn-Abo, das Badi-Abo, zwei 20 Rappen Briefmarken, der SVP-Ausweis und ein Zahnstocher, mit dem er jeweils die Grünen stichelt.

"Hello, Ueli", wiederholt die Stimme. Ueli ist verzweifelt, er wird seine Hand nicht aus dem Hosendsack nehmen. Nie.

"Was soll ich jetzt nur machen. Der Christoph hat mir das nie gesagt". Er zögert, er holt tief Atem um seine Hirnzellen zu beschleunigen. Nichts.

"Ich bin Muammar Qaddafi".

"Das kann jeder behaupten", Ueli hat sich wieder gefasst und sein SVP-Training hat sich zurück gemeldet.

"Ich bin Muammar Qaddafi", sagt die Stimme, "Welcome in Tripolis" und die Arme welche zur Stimme gehören greifen sich den Ueli und ziehen ihn an die Brust des Vermummten. Nochmals hört er die Stimme sagen "Welcome in Tripolis my friend".

"Ich habs gewusst, der will an mein Portemonnaie", oder warte mal, vielleicht . . .?"

"Ah, Eh, Hmm, losen Sie einmal, ich chan jetzt nicht bleiben, mir werded agriffe und ich muss sofort zrugg um mis s'Land zu verteidige.

"En anderesmal, gällezi Herr Gadaffi".


Ueli der ewige Knecht

"Ueli!, chunsch jetzt endlich emal, de z'Nacht isch fertig".

Uelis Stirn faltet sich. Er ist ratlos, wie alle Bundesräte. Darum atmet er tief ein, damit er sein Hirn mit Sauerstoff füllen kann. Ein Atemzug reicht für sein Hirn und für den ganzen Abend.

"Ja, ja, chumme scho, ich mues no e Schtellig usprobiere".
Seine rechte Hand schiebt ein Zinnsoldaten-Batallion gegen Norden.

"Du mit dine Schtellige", erwideret seine Frau Anne-Claude und nimmt den Moscht aus dem Kühlschrank.

Ueli studiert seine neue Verteidigungs-Strategie.
"Also, wänn die Dütsche eus agrifed . . ", er schmunzelt schlau. Ueli hat so seine Ideen. Die darf ich hier nicht preisgeben. TOP SECRET.

"Aber d'Italiener han ich fascht vergässe. Die wänd eus doch nur an Chäs".

Ueli legt einige Zinn-Marines ins Gebüsch. Die werden wir schön verschrecken.

"Was aber, wenn die Österreicher . . .", jetzt steht ihm der Schweiss auf der Stirn. Der rollt über seine Falten wie gemütliche Snow Boarder auf nassem Frühlings-Schnee.

Rasch wischt er die Zeichen von Stress eines Militär-Experten weg. "Zeige nie Emotionen vor dem Feind". Er erinnert sich an seine Lehrjahre mit dem Christoph.

"Die Österreicher sind gefährlich. Also hier auf dieser Flanke sind wir noch schwach. "Panzerfallen?" murmelt er vor sich hin. "Haben die überhaupt eine Armee?" geht es dem Ueli durch sein Soldaten-Kopf. "Ach was, die packen wir doch mit ein paar Nagel-Brettern".

"Häsch a d'Liechteschteiner dänkt?", fragt seine Frau Anne-Claude , welche jetzt hinter ihm steht. Ihre Augen leuchten, ihr Herz schlägt kräftig und wehrhaft in ihrer Brust. Ueli schaut ihr in die Augen und dann auf ihr Herz. Auch seine Augen beginnen zu leuchten.

"Aber Ueli, nöd jetzt!", lacht sie ihn an. "Konzentrier dich auf die Verteidigung unseres Landes".

"Ohä Lätz, du hast recht, die Liechtensteiner habe ich vergessen. Ja, ein paar Sandsäcke genügen da wohl, was meinscht?"

Das Telefon läutet. Anne-Claude nimmt ab. "Ah, de Chrischtoph?" Ruckartig zieht sie Ihre Schultern nach hinten und nimmt eine schneidige Haltung ein. "Entschuldigung, Grüezi Herr General, äh nei, Herr Blocher, was därfs dänn hüt si?"

Anne-Claude's Atmen steht stramm. Sie hört angespannt zu. "Ja, sicher", "ja, sofort", Aber ja", "Ja, das mached mer".

Das sind die erlaubten Texte, welche der Schweizer Geheimdienst der Presse überlässt. Mehr nicht. Es geht hier nämlich um mehr.

"Adieu Herr Blocher", sagt sie noch und wendet sich ihrem Ueli zu. "Du, Ueli, öppis händ mir total verschwitzt, d'Amerikaner!".

"Oh ja, die wänd ja euses Bankgheimniss knacke. Ich mues das alles wieder emal allei mache. Also mer nämed das Bankgheimnis zu eus hei, gäll Anne-Claude. Chasch es is Tieffgfrühr-Fach lege".

"Aber wie wehrsch Du dich gäge die, wänn's chömed?"

"Ich mues halt no einigi Atombombe bschtelle. Schrib mer das au na uf de Poschti-Zettel. Für die bescht Armee isch nüt z'billig.

Die sölled nu emal cho", denkt er. Ueli steckt seine Hände in die Hosensäcke und lässt einen Kehlkopfschlag-Jodel von sich. "Jouououlu Jojuououou!", was etwas so zu übersetzen ist, "Dene werded mir das scho zeige". Wie immer splittert damit etwas Farbe vom selbstgemalten Bauernbüffet weg. Dann sagt er entspannt, "So, jetzt hani Luscht nach emene Cervelat und Moscht".

Eva's Empfehlung
Adam, nimm doch endlich Vernunft an und iss ihn.

Nein, lass mich in Ruhe.

Aber du weisst es, deine Gesundheit liegt mir am Herzen.

Ich weiss doch, aber ich bin gesund genug.

Du nimmst mich nicht ernst, Adam, dieser Apfel enthält Pektin und eine Menge Vitamine. Die helfen . . .

Eva, schau mal, wir sind hier im Paradies und da gibt es keine Krankheiten. Also was soll das alles?

Du weisst nie, was geschehen kann. Vielleicht können wir nicht ewig hier bleiben.

Mach keine solchen Witze. Deine Fantasie geht mit dir durch. Vielleicht isst du zuviele Äpfel.

Du hörst mir nie zu. Bitte sei doch . . .

Mir reicht es, ich ziehe es vor, an der frischen Luft zu sein und zu wandern. Das hält mich fit.

Und wie steht es mit deinen Zähnen? Aepfel enthalten Säuren und Gerbstoffe, die den Bakterien in deinem Mund den Garaus machen.

Such dir Arbeit in einem Reformhaus, das würde dir sicher gefallen.

Adam, allein deine Raucherei macht dich zum Kandidaten für den Arzt. Äpfel würden zumindest die fehlenden Vitamine und Antioxidianten liefern und das giftige Nikotin ausscheiden.

Ich gehe.

Muss ich dich verführen, damit du vernünftig wirst?

Hmmm!

Adam, wo bist duuuu?

Gestresst
Gehe ich doch zu Fuss nach Hause, dachte ich.

Meine grauen Hirnzellen arbeiten auf Hochtouren: unerledigte Projekte, Termine, Einkauf für das Abendessen.

"Doch nicht so", sagt mein Kopf und streikt. Meine Gedanken verstricken sich unkontrolliert ineinander und streiten darum, wo mehr Hirnzellen für ihre Denkarbeit zu ergattern sind. Ein Chaos herrscht in meinem Kopf.

Die Schultern verspannen sich, die Hände ballen sich zu Fäusten und mein Atem entsinnt sich nicht mehr seiner Aufgaben. Ich mache mich so rasch wie möglich auf den heimweg.

Huup, huup, schreckt mich die Autohupe auf. Das unausweichliche "Idiot, kannst du nicht aufpassen" bringt meine Gedanken noch mehr durcheinander. Jetzt meldet sich mein Instinkt, der mir empfiehlt, nicht zu reagieren. Ich halte inne, nehme einen tiefen Atemzug und lasse die Schultern hängen.

Der Tag war schon den ganzen Tag lang angenehm warm, der Himmel blau, gefüllt mit grossen Wolkenballen. Ich lasse mich einfangen davon. Meine Augen folgen den Wolken, die sich harmonisch vom Blau des Himmels ablösen.

Nun bewege ich mich in einer anderen Welt und lasse mich darauf ein. Lockeren Schrittes nehme ich den Weg unter die Füsse.

Meine streitenden Gedanken haben sich gemässigt, meine Schritte sich verlangsamt, der Atem sich harmonisiert und der Kopf sich entspannt.

Und das Fazit der Geschichte: Kann ich mich gleichzeitig mehreren Gedanken widmen? Nein, es ist den Stress nicht wert. Schau in den Himmel, geniesse den Moment! Die Energie, die Du dabei tankst, entwirrt Deine Sinne und lässt Neues entstehen.
Ein Blick zum Himmel lohnt sich.

The Killer
Er muss mich in der Subway entdeckt haben, obwohl ich mich gegen das Fenster richtete, um den Blicken der Passagiere zu entgehen.

Meine übliche Vorsichtsmassnahme hat versagt. Ich bin erkannt worden und befinde mich in Gefahr.

Beim Verlassen des Wagens ist er mir gefolgt. Auf dem Weg nach Hause fühle ich seine Anwesenheit, ohne ihn zu Gesicht zu bekommen. Früher hatten mir meine Reflexe geholfen, die Verfolger ins Leere laufen zu lassen oder sie zu eliminieren.

Doch diesmal ist es anders. Wo ist bloss mein Instinkt? Liegt es am Alter oder an der Müdigkeit? Auf dem Heimweg versuche meinen Verfolger anzuschütteln.

Uff! Es ist geschafft. Ich stehe im Hauseingang und atme tief ein. Erleichtert schliesse ich die Eingangstür und gehe die Treppen hoch zur Wohnung. Ich schaue zur Kontrolle aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Ich lase mich erleichtert in das Sofa fallen.

Oh verdammt, der Killer ist in der Wohnung.

Wo befindet er sich? ich bewege mich so leise wie möglich durch die Wohnung, bereit zu reagieren. Nichts. Sicherlich einer der neuen Generation, gegen die ich nicht gerüstet bin. Meine Waffe habe ich nicht bei mir ich muss mich wohl mit blossen Händen verteidigen.

Meine Nerven liegen blank. Vielleicht mag mich der Fernseher abzulenken. Oh ja, der Werbeblock ist genau das Richtige. "Fieber, Kopfweh, Muskelschmerzen und Frösteln?" tönt es aus dem Lautsprecher. "Schützen Sie sich vor dem gefährlichen Killer-Virus. Unser Antigrippe-Medikament wehrt sie vor allen Angriffen. Fragen Sie den Arzt oder Apotheker!"

Ich bin nochmals davon gekommen.


Das Stück Fleisch grinst mich dumm an

Es steckt zwischen zwei Pelzen. Einem Mantel und einer Mütze. Beides um die 20'000.00 Dollar wert. An der Madison Avenue in New York. Das Stück Fleisch scheint nicht mehr ganz frisch zu sein.

Darüber spannt sich eine braune Haut. Geröstet vom Solarium oder von der Florida Sonne. Spannfalten sind sichtbar, überall. Der Mund grinst immer noch. Warum eigentlich?

Der Chirurg hat zuviel Haut nach hinten gezogen. Der Mund grinst jetzt ewig vor sich her.

Hier an der Upper East Side tragen viele die Sonnenbrille und den Hut über die Stirn gezogen. Andere tragen einen Hut und senken den Kopf. Niemand soll ihr Grinsen sehen.

Das letzte mal bemerkt es der Pfarrer an der Abdankung.

Es beweist ihm einmal mehr die grosse göttliche Wahrheit, Sterben muss schön sein.

Und wer grinst da in den hinteren Kirchenbank? Die Erben.

Glaube macht frei

Aldo sitzt in der Kirche. Erika, seine Frau, sitzt neben ihm. Der Pfarrer spricht von der Kanzel. Aldo hört ihn sprechen. Er denkt an die schöne Nachbarin. "Die will ich haben". Auch Erika hat gedanklich die Weichen gestellt. In Christinas Boutique bewundert sie eine Ledertasche. "Die muss ich haben".

Der Pfarrer räuspert sich. Niemand hört mehr zu. Aldo ist heiss. In Gedanken läutet er bei der Nachbarin. Erika zählt in Gedanken Ihr Erspartes nach. "Wird es reichen?" Aldo hat Glück. Seine Nachbarin steht im Türrahmen. Zum greifen nahe. "Ich bin Hilda", sagt sie. Seine Frau zählt nochmals nach. "Das reicht nicht. Scheisse".

"Hilda, haben sie eine Prise Salz für mich?", fragt Aldo scheinheilig. "Sicher, komm rein". Der Pfarrer blättert in der heiligen Schrift. "Heiliger Vater", beginnt er. Im Schlafzimmer schaut die Hilda in Aldo's Augen. "Heiliges Kanonenrohr", flüstert sie, "bist Du bereit für ein Scharmützel?"

In Christinas Boutique hat Erika einen Traum. Der erste Prinz von Indien kommt herein. Er sieht Erika und ist entzückt. Dann fällt er um, von ihrem Charme erschlagen. "Schade", sagt sie, "tot kann der kein Geld mehr ausgeben".

Aldo gewinnt die Hilda. Erika gibt auf. Vielleicht hilft mir beten. "Lieber Gott im Himmel, kennst Du Armani?"

"Ach was,
Amen".