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Unschuldig

Ich bin Nadir.
Meine Heimat ist Palästina.

Heute ist mein Geburtstag.

Siehst Du die Polizeistation dort drüben?
Da gehe ich jetzt hin.

Mein Alltag ist Blut und Asche.

Die Schulen sind zerstört.
Meine Schwester ist tot.

Unter meinem Hemd klebt eine Granate.

Heute bin ich neun Jahre alt.
Mein Spielplatz ist das Schlachtfeld.

Ich spüre den Auslöser in der Hand.

Gestern ist meine Mutter verbrannt.
Palästina ist so weit weg.

Ich betrete die Polizeistation.

Meine Seele ist heimatlos.
Mein Herz schreit ein letztes mal.

Ich erlöse den Schmerz mit der Granate.

Motocycle_NY.jpg

Der klare Strich des Künstlers

Soll ich die Linie so oder so ziehen?
Verwende ich hier blau oder blau-grün?

So oder so, des Künstler's Hand folgt der Intuition.

So entstehen Kunstwerke.

Künstler sind Individualisten.
Sie und ihre Werke überdauern die Geschichte.

Politiker sind ihre Antipoden.

Mache ich es so, gefällt es den Wählern.
Mache ich es nicht so, gefällt es mir besser.

Der Politiker folgt seinem Intellekt.

So entstehen Kompromisse.

Politiker sind starke Persönlichkeiten.
Sie und ihre Werke sind oft zu bedauern.

Wen wählen Sie zum Präsidenten Ihres Landes?

© 2009 Peter Kunz

NY_Window.jpg

NY_Ghost_Man.jpg

Cop_in_NY.jpg

Fluch der Globalisierung

Wenn jemand im Bus nach Lupembe "Fuck you" sagt,
in Los Reyes der Koch dasselbe durch die Küche schreit,
ein Bürger auf den Aleuten sein Gegenüber damit beleidigt,

und Nachbarn in Phumi Tuol Koki damit kommunizieren,
dann ist das, aber halt nehmen wir fairerweise
noch andere Orte dieser Welt dazu,

z.B. Qarasuqumlaq,
ja, wenn dort auf dem Pausenplatz "Fuck you" In ist,
und in Novosibirsk die Ölarbeiter damit aufschneiden,
in Kapstadt auf dem Fussgänger-Streifen damit geübt wird
und in Helgoland's Kinderkrippe
die Fenster geschlossen werden müssen,

dann ist dieses "Fuck you" nicht ein Echo aus den
Vereinigten Staaten von Amerika, nein,
es ist die exportierte Idee eines Landes,
welche damit die Welt beherrscht.

Kulturexport oder Globale Vergewaltigung.


Black_Man_Cigarre.jpg

Die Fehl-Geburt
Ich liege zusammengerollt im Dunkeln
und bin ganz nass.

Aus der Ferne höre ich Bier fliessen.
Dazwischen das Kauen eines Hot Dogs.
Ab und zu ein Rülpsen. Jetzt ein Furz,
gefolgt von einem blechernen Lachen.

Das ganze begleitet mit einigen
"Scheisse", "Dummes Arschloch"
und anderen Flüchen.

Solches und ähnliches muss ich
mir seit neun Monaten anhören.

Ich denke an meine Zukunft.
Meine Mutter arbeitet täglich an ihr.

Gino Moretti, der Italiener
Der elektrisch angetriebene Rollstuhl steht an der Strand-Promenade. Sein Fahrer, etwa um die 60, spielt mit dem Steuerknüppel.

Er wendet den Rollstuhl mehrere Male nach links, dann nach rechts und schliesslich in Richtung zum Ozean.

"Heute Abend sind die Wellen hoch. Da kommt etwas auf uns zu", murmelt er vor sich hin. Aufmerksam höre ich ihm zu. Mitleid übermannt mich.

Er blickt mich an und sagt, "Ich bin Gino Moretti aus Genua. Dieser Strand ist meine zweite Heimat geworden."

"Armer Kerl und ganz allein", sagt mir mein Mitleid.

Plötzlich dreht er seinen Rollstuhl nach links und ich sehe, wie er drei jungen Frauen nachschaut. "Das Fahrzeugs ist sehr wendig", bemerke ich. Sein stolzes Lachen lässt mein Mitleid etwas reduzieren.

"Mein Rollstuhl ist 6 Jahre alt und hat einiges gekostet."
Der sähe ja wie neu aus, erwidere ich ihm. "Ja ja, ich habe ihn letztes Jahr das erste mal hervorgenommen. An jenem Tag war es fürchterlich heiss. Seither sind wir unzertrennlich."

Er lacht wieder. Diesmal spitzbübisch. "Ich spare das Taxi und den Bus. Ich fahre direkt ins Restaurant und an meinen reservierten Tisch. Das ist praktisch. Ich fahre zum Super-Markt, zur Toilette und ans Bett".

Mein Mitleid löst sich langsam auf.

Stolz führt er mir die 5 Gänge vor. "Der Wagen bremst automatisch, sobald ich den Steuerknüppel los lasse. Das ist praktisch. Sollte ich einmal in Ohnmacht fallen, steht er automatisch still".

Armer Kerl, denke ich wieder.

"Wir müssten alle so einen Rollstuhl haben, das Leben wäre viel angenehmer. Man schwitzt nicht mehr".

Ich sehe, wie er beim Erzählen seine Beine in die Höhe wirft. Er schaut mich an und schmunzelt. "Ja, du hast richtig gesehen, ich könnte schon gehen, aber ich mag nicht".

Er lacht, wie Gino Moretti eben lacht und fährt mit 20 km/h davon. Mit ihm verschwindet auch mein Mitleid und macht einem Schmunzeln Platz.

Mit einer schönen Geschichte im Kopf, schlendere ich zufrieden nach Hause.

Oval_Office.jpgDer ideale Platz für politischen Abfall

Hallelujah, endlich eine gute Idee
Benedikt oder Bennie, wie ihn seine Kollegen nennen,
hat die Tiara auf den Badewannenrand gelegt.

Den Hirtenstab benutzt er als Kleiderstange, darüber
hängt seine Robe. Bennie selber sitzt gemütlich auf
der Toilette.

Er blättert in neuen Mickey Mouse Heft.

"Die hat mehr Fans als mein Arbeitgeber. Spannend
sind die Geschichten auch". Er schmunzelt.

Eine Eingebung seines Chefs erreicht ihn aus dem
Himmel. Sein Gesicht verklärt sich.

Er greift zum Hörer und wählt die Nummer in Hollywood.

Klick "Hi, this is Mel Gibson, who's there?"

Bookstore_Man.jpg

Der heilige Stuhl wackelt

"Guten Tag Herr Papst".

"Eminenz, bitte".

"Oh, Entschuldigung".

"Ist schon recht mein Sohn".

"Ihre Eminenz, heute ist Montag.
Stinkt es Ihnen auch, aufzustehen?"

"Ach Gott, nein, ich bin ja sein
Stellvertreter. Ich freue mich jeden Tag
darauf, ihn vertreten zu dürfen".

"Braucht Gott einen Stellvertreter?
Der ist doch allgegenwärtig und überall".

"Nur ich kann das wissen, ich bin
unfehlbar in solchen Dingen".

Vertreten Sie ihn wenn er sich rasiert
oder wenn er auf dem Golfplatz weilt?

"Mein Sohn, Du fragst zuviel,
verpiss Dich".

Als ich den Vatikan verlasse, beginnt
es tatsächlich zu regnen.