Ein Wunsch-Traum
Der Füllfederhalter fährt mit raschen Bewegungen über das Papier. Ohne Halt kommt er an sein Ziel.
Jetzt die Adresse auf das Couvert, die Briefmarke aufgeklebt und auf die Post damit.
Im Büro des Innenministers
Der Brief liegt dort ungeöffnet in einer Schublade. Seit Wochen. Ihm ist eines unklar. "Warum liest mich niemand?".
"Ist meine Botschaft unwichtig?
Ich klage über die Verhältnisse im Land. Dass sich etwas ändern muss. Das Volk leidet, die Mütter klagen, Kinder verelenden und die Männer sind frustriert".
"Was ist das?"
Ein Brief fliegt in die Schublade. Die beiden beginnen eine Diskussion und in kurzer Zeit decken sie ihre Verwandtschaft auf. Gleicher Inhalt, gleiche Klagen, gleiche Forderungen.
Immer mehr Briefe leisten ihnen Gesellschaft.
Jetzt kommt Bewegung in die Gruppe. Es wird anregend diskutiert und entschieden. Das Ziel ist eine Änderung des Zustandes im Land.
Im Gefängnis des fordernden Volkes kann man kaum noch Atmen. Die Luft ist trocken und stickig. Das Dunkel macht sie agressiv. Man verflucht die Politiker. Einer ruft "Schafott".
"Hat jemand ein Streichholz?"
sagt jemand mit kräftiger Stimme. "Ja, hier", einer wirft ihm die Streicholzschachtel zu.
"Eines reicht", sagt er, "kommt machen wir Geschichte". Im gleichen Moment reisst er das Zündholz über die Schachtel.
Die Schlagzeile am Morgen
Parlament ausgebrannt. Politiker auf der Flucht.
