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Eine Mordsgeschichte

Feierabend. Giovanni der Metzger zieht seine Schürze über den Kopf und hängt sie an den Haken. Er schaut in den Spiegel, drückt seine Haarwelle zurecht und verlässt die Metzgerei.

Es ist jetzt Mäusestill im Laden. Die Temperatur lässt sich mit einem Jauchzer auf 14 Grad herunter fallen.

Die Strassenlaterne wirft ihr Licht auf die grosse Wurst-Vitrine. Hier haben sich Einheimische Würste, gemeinsam mit Ausländern, zur Nachtruhe hingelegt.

Kaum ist Giovanni weg, dreht sich Salami auf die andere Seite. Er will sich nicht mit diesen Würsten sehen lassen.

Neben ihm, in seinem Schatten, liegt Mortadella. Träge und bleich. Salami riskiert einen italienischen Witz, "Fühlt sich an wie in der Leichenhalle, e Vero?".

"Lass die Witze, du blöder Salami" meint Mortadella. Salami kümmerts nicht und fragt nach der deutschen Bockswurst?" Die scheint schon zu schlafen.

Salami dreht sich auf die andere Seite. Überrascht sieht er sich einer Russin gegenüber. Er ist böse überrascht. Eine Stolitschnaja aus Russland hat er nicht erwartet. Salamis Mafia-Instinkt ist hellwach.

Die Russin macht auf Scheintot. Kein Atem ist hörbar. Das ist typisch für diese Agentinnen. Sie sieht jung aus, ihre Haut straff und glänzend. Sie steckt immer noch in ihren Netzstrümpfen.

"Hey, Sexy, roll zu mir herüber", lacht er. Nichts. Salami stupft sie und sagt, "Sag etwas, oder ich reibe meine fettige Haut an dir, Baby". Immer noch nichts. "Scheint Tot zu sein". meint er. Beruhigt dreht er ihr den Rücken zu.

Salami ist wieder dem Mortadella zugewant und sagt, "Russinnen sind doch . . .

In diesem Augenblick hört er einen Grauen erregenden Todesschrei. "Entsetzlich", denkt Salami und dreht sich instinktiv auf die andere Seite. In diesem Moment wird ihm klar, dass er den Schrei ausgestossen hat. "Ach, nein . . . ", waren seine letzten Worte und fällt in zweiundzwanzig Salamischeiben zusammen.

Es ist 07.00 Uhr, die Temperatur klettert keuchend und in Schweiss gebadet auf ihre vorgeschriebenen einundzwanzig Grad hinauf. Hans Wurst, Giovannis Ablösung, kommt pfeifend in die Metzgerei und schaut routinemässig in die Vitrine. Dann nimmt er die grosse Tafel von der Wand und beschreibt sie liebevoll. Die hängt er dann ins Schaufenster.

"Heute wieder Salami-Sandwich"