New Yorker Park-Idylle
Das elegante Mami setzt sich neben mir auf die Parkbank. Ihre grossen Einkaufstaschen stellt sie zwischen uns. Sie atmet tief ein und lächelt. "Einkaufen ist anstrengend", bemerkt sie.
In diesem Moment kommt ihr Sohn angetrabt. Etwa dreijährig, elegant und sichtlich schlechter Laune. Er wirft seinen Designer-Rucksack auf den Boden und setzt sich auf die Bank. "Geh spielen, ich will einen Augenblick verschnaufen". Sie fordert ihn auf, zum Spielplatz zu gehen. Widerstrebend geht er.
Zwei Minuten später steht er wieder vor ihr. Sie nimmt ihn wortlos an der Hand und geht mit ihm zum Spielplatz zurück. Wieder auf der Parkbank zündet sie sich eine Zigarette an.
Nach drei Zügen steht ihr widerspenstiger wieder vor ihr. Sie sieht verzweifelt aus und schaut mich hilflos an.
Ein etwa 5 jähriger Junge kommt des Weges und geht an uns vorbei.
Sie winkt ihn zu sich heran und fragt nach seinem Namen. "Ricky", kommt es von seinen Lippen. "Hallo Ricky, chön dich zu treffen". Der schaut ihr frech und misstrauisch ins Gesicht.
"Willst Du etwas Taschengeld verdienen?". Seine Augenbrauen bewegen sich nach oben und seine Augen sind hellwach. " Mein Sohn Daniel will mit dir spielen". "Wieviel?", fragt er effizient.
Jetzt muss ich mein Lachen verstecken. Er bemerkt es und schaut verärgert weg.
"Fünf Dollar". meint sie mit unsicherer Stimme. Wortlos streckt er seine Hand aus und greift sich das Bündel Dollarscheine. Dann geht mit dem Knirps zum Spielplatz.
Schon nach zwei Zigaretten steht Ihr Sohn wieder vor ihr. Ricky ist gerade am Weggehen. Sie ruft ihn zurück und fragt ihn nach dem Grund. "Zu langweilig, meint er."
Kannst Du noch ein wenig bleiben". Er streckt ihr die offene Hand entgegen und sagt, "Five Dollar". Die arme zahlt nochmals. Ricky schnappt sich das Geld und rennt weg.
Das wird sicher einmal ein Börsenmakler oder Rechtsanwalt werden. Talent had der Kerl.
