Der Zugewanderte
"Niopo, Niotei" tönt es in der Nähe des Hunter Colleges.
"Niopo, Niotei"
Da ist es wieder.
Es muss ein Japaner sein, geht es mir durch den Kopf.
Am Rande des Gehsteigs entdecke ich den Rufer. Er trägt eine frisch gewaschene Küchenschürze und bewegt sich ruhelos von einem Fuss auf den anderen tretend. Sein Mund begleitet ihn im Rhytmus, indem er einen Kaugummi mit seinen Zähnen zu zermalmen versucht.
"Niopo, Niotei", ruft er unverdrossen.
Ich schaue ihm eine Weile zu, um herauszufinden was seine Botschaft ist.
Er hat seine Arme ausgebreitet und streckt den Passanten zwei Zeitungen entgegen, die er in seinen Händen hält.
"Niopo, Niotei", rollt es über seine Lippen.
Warum japanisch, denkle ich bis die Titel der Zeitungen mir ins Auge springen.
"New York Post" und "New York Times".
Ich schmunzle und mache mich auf meinen Weg.
"Niopo, Niotei" ruft es in den New Yorker morgen.
Einige Tage später spreche ich ihn an. Sein Name ist Pedro, er sei aus Peru und nach Amerika gekommen um reich zu werden. Vor mehr als dreissig Jahren. Er habe auf dem Bau gearbeitet und seine Frau hat wohlhabenden Müttern die Kinder erzogen.
Ich beobachte ihn wie er den Verkauf handhabt, das Geld entgegen nimmt und Kleingeld herausgibt. Wenn er eine Zeitung verkauft hat, lässt er die Münzen in ein Marmeladeglas fallen. Die Noten steckt er in eine Tasche, welche unter seiner Schürze steckt.
Neben ihm am Gehsteigrand stehen drei Harassen auf dem Kopf. Darauf liegen streng ausgerichtet verschiedene Zeitungen.
Seine Frau sei vor einem halben Jahr gestorben, teilt er mir traurig mit, und ihm sei es langwelig geworden. Jetzt macht sein Leben wieder Sinn.
Pedro winkt mir über die Strasse nach, wenn er mich am morgen entdeckt. In Gedanken umarme ich ihn jedesmal.
