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Nicolas Sarkozy
Der letzte König von Frankreich.

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Die Zukunft gibt es nicht

Sie ist keine Realität. Nicht greifbar. Nicht fühlbar. Sie ist nichts.

Die Zukunft erkennen wir erst, wenn sie Vergangenheit geworden ist. Hier macht sie einen biederen Eindruck, weil sie nicht zu dem geworden ist, was wir für sie geplant haben.

Sie lebt als Geschichte weiter. In unseren Köpfen. Als Störfaktor für uns alle, welche sich in der Gegenwart bewegen und täglich an der Zukunft planen.

Kann das jemals gut werden?

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10
Was schon wieder? Shit!

Mir steht wieder einmal der Atem still. Diese Stimme kenne ich von meinen Besuchen in Tripoli. Damals war ich für Ronald Reagan als Vermittler zwischen Libyen und den USA tätig. Das ist ja Muammar Qaddafi.

"Barbie, ich bringe dich nach Hause", höre ich ihn sagen. "Mein Zelt wartet auf dich". Barbie steht wie eine Statue im Raum. Sie muss unter Schock stehen. Der Mann steckt in einer khakifarbenen Uniform, dekoriert mit einem dutzend selbstgebastelten Orden. Seine krausen Haare stecken unter einer Generalsmütze und das Gesicht ist von einer Sonnenbrille aus den fünfziger Jahren verdeckt.

Ich erinnere mich wie Reagan zu mir gesagt hatte, "I find he's not only a barbarian, but he's flaky". Genau so sieht er aus.

Barbie hat sich rasch vom Schrecken erholt und antwortet , "Mein Süsser Muammar, rette mich, nimm mich mit in deinen Harem".

"Barbie, das mach ich". Doch zuerst muss ich noch rasch in die Schweiz reisen um mein Taschengeld von den Schweizer Banken abheben. Sie schaut ih verträumt in die Augen und küsst ihn auf das unrasierte Gesicht.

"Was für ein Kerl", denkt und fühlt sie. In diesem Moment stürmen Ueli Maurer und Micheline Calmy-Rey in das Hotelzimmer. Beide tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "Kommando Bern". Ihre Waffe im Anschlag rufen sie "Hände Hoch".

"Shit" ruft Qaddafi und greift nach seinem Dolch, welcher im Halfter am Rücken steckt.

Doch soweit kommt er nicht.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe, was Qaddafi daran gehindert hat, sich erfolgreich gegen die beiden mutigen Schweizer wehren zu können.

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Aus der Ewigkeit gefallen

Ich bin unterwegs. Die Landschaft welche an mir vorbeizieht bezaubert meine Sinne.

Düfte, Farben und Formen, die Klänge die ich wahrnehme, diese liebliche Atmosphäre erinnern mich an meine angenehme Stimmung in der ich mich hier seit jeher bewege. Jegliches tun geschieht von Moment zu Moment und alles gelingt mit Leichtigkeit. Liebe ist der Antrieb und Motivation für alle tun. Es lässt mich das Leben erleben und es ständig neu kreieren.

Hier lebe ich in der Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft oder Illusion existieren nicht.

Ich bin unterwegs . . .

Ein gewaltiger Ruck lässt mich nach vorne fliegen. Mein Kopf schlägt am Lenkrad auf.

Für einen Moment verliere ich die Besinnung.

Etwas hat mich gewaltig durchgerüttelt. Erstaunt schaue ich um mich.
Da ist die Autobahn. Ich bewege mich auf der mittleren von fünf Spuren, inmitten unzähliger Fahrzeuge und werde von allen Seiten gestossen.

Die atemberaubende Landschaft, das sanfte Licht und die angenehme Ruhe die ich genossen habe ist weg. Mein Körper schmerzt. Mein Herz pocht. Jeden Moment erwarte ich eine weitere Überraschung.

Ich schwitze und spüre meine feuchten Hände am Lenkrad.

Hier geht es rauh zu und her. Es wird gestossen und geschoben. Die Autos reiben ihr Blech aneinander. Es schrammt und quitscht. Ich sehe die Fahrer mit verkrampften Gesichtern nach vorne starren. Sie kämpfen mit aller Macht um bessere Positionen.

Autowracks am Rand der Autobahn wecken meine Aufmerksamkeit. Einige sind von Rost überzogen, anderen blättert die Farbe von der Karosserie. Viele liegen auf dem Dach oder auf ihrer Seite.

"Reparatur", "Abschleppdienst", "Spritzwerk", lese ich auf den vorbeiziehenden Tafeln.

Wo bin ich wohl hingeraten? Da scheint ja einiges los zu sein.

Meine Sehnsucht nach der verlorengegangenen Harmonie vermischt sich mit dem Gefühl von Einsamkeit und Trostlosigkeit. Traurigkeit kommt auf.

Hier muss es um etwas gehen, von dem ich keine Ahnung habe. Warum diese hässliche Stimmung? Diese Aggressivität und Rücksichtslosigkeit?

Warum kämpfen alle so verbissen um ihre Position? Es fühlt sich an wie Krieg.

Ich muss hier raus. Koste es was es wolle. Meine Arme schmerzen, die Zunge ist trocken und Müdigkeit macht sich breit.

Eine Verkehrstafel taucht auf. "Freiheit", lese ich und schon bin ich an ihr vorbei.

Da, eine weitere, "Harmonie", entziffere ich.

Mein Instinkt ist geweckt.

Ist das die Gelegenheit hier wegzukommen. Weg von dieser katastrophalen Situation. Mein Entscheid ist gefällt.

Ich befinde mich an einem Knotenpunkt, welcher mehrere Ausfahrten hat. Ich mache mich bereit, im richtigen Moment wegzukommen.

Es sieht aus, als hätten andere denselben Gedanken. Diejenigen auf der äussersten Spur gelingt das.

Mit viel Agressivität wechsle ich in die nächstliegende Spur.

Geschafft. Böse Blicke und beleidigende Handzeichen sind das Resultat. Beinahe schon gelassen schaue ich weg. Mir fehlt noch eine Fahrspur zur Flucht.

Jetzt. Meine Chance ist da. Ich drücke auf's Gaspedal und stosse mit aller Kraft nach Aussen. Geschafft.

Mit der Zeit gelingt es mir, mich gegen dieses aggressive Benehmen zu wehren. Es beginnt mir Spass zu machen. Mein Ehrgeiz ist geweckt, meine aufgestaute Wut liefert mir die Energie dazu. Mal sehen, wer hier der bessere ist. Wartet nur, euch werde ich es noch zeigen.

Mit jedem Krachen und jedem kleinen Sieg über den anderen fühle ih mich besser. Die Harmonie, welche mich einst begleitet hat, ist verblasst. Hier wachse ich in etwas neues hinein. Um zu überleben muss ich wohl oder übel mitmachen.

Ich spüre meinen Wetteifer. Denen werde ich es beweisen. Mich kann man nicht so einfach herumschubsen.

Da, eine neue Ausfahrt taucht auf. Jetzt aber rasch weg. Ohne Rücksicht und ohne Erbarmen drücke den Wagen nach aussen und hinein in die neue Fahrspur.

Geschafft. ich befinde ich mich auf einer neuen Autobahn.

Kaum habe ich mich auf der äussesten Fahrbahn eingerichtet, spüre ich diesen gewaltigen Schlag von hinten. Wieder fliege ich nach vorne, dieses mal verliere ich für einen Moment das Bewusstsein. Mein Körper schmerzt, Blut tropft von meiner Stirn. Ich beisse auf die Zähne und schwöre mir, nicht nach zu geben.

Die Fahrer um mich herum spielen dasselbe Spiel, jedoch mit härteren Mitteln. Ich komme nicht dazu, mich auf dieser Fahrbahn zu halten. Das hier scheinen andere Kaliber zu sein. Nach wenigen Minuten stecke Ich wieder auf der mittleren Spur.

Achtzehn Spuren zähle ich. Hier werde ich einfach mitgestossen. Ich bin machtlos.

Wahnsinn. In was für eine Realität bin ich da nur hineingeraten? Kann ich das überleben?

Die Tafeln an den Ausfahrten stehen jetzt weiter weg. "Freiheit" und "Harmonie" winken meiner Seele zu, welche die Erinnerung an den Anstand und die Rücksicht verliert.

Ich entscheide mich, das Spiel mitzumachen. Ich schnalle meinen Gurt an, atme tief ein und drücke auf das Gaspedal. Ich verliere allen Anstand und jegliches Mitgefühl. Hinein in die Schlacht.

"Weg da, du Saukerl, mach Platz", schreie ich und drücke meinen Wagen seitwärts. "Hau ab. Dir werde ich's zeigen" . . .

"Was ist das?"
Ein angenehmer Klang erreicht mein Ohr.

Der Sperling. Er pfeift fröhlich in den Morgen.
"Wo war ich?"

Ich folge seinem Gesang und lasse mich wegtragen.

Ein neuer Tag wartet darauf, von mir gestaltet zu werden.