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Der klare Strich des Künstlers

Soll ich die Linie so oder so ziehen?
Verwende ich hier blau oder blau-grün?

So oder so, des Künstler's Hand folgt seiner Intuition.

So entstehen Kunstwerke.

Künstler sind Individualisten.
Sie und ihre Werke überdauern die Geschichte.

Politiker sind ihre Antipoden.

Mache ich es so, gefällt es den Wählern.
Mache ich es nicht so, gefällt es mir besser.

Der Politiker folgt seinem Intellekt.

So entstehen Kompromisse.

Politiker sind starke Persönlichkeiten.
Sie und ihre Werke sind oft zu bedauern.

Wen wählen Sie zum Präsidenten Ihres Landes?

© 2005 Peter Kunz

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Was ich gestern alles noch nicht gewusst hatte.

Das war vor meinem Besuch beim Akupunkteur. Ich erzähle es Ihnen frisch aus meiner Erinnerung.

In der Traditionell chinesischen Medizin hat ein Therapeut mehr als ein Dutzend Möglichkeiten, den Puls zu fühlen, um eine Diagnose stellen zu können.

Er misst dabei mit einer sanften Berührung oder mit einem leichten bis festen Druck auf den Pulstastpunkt. Dabei legt er seinen Zeigefinger, den Mittelfinger und Ringfinger auf die Handwurzelfalte nebeneinander auf die Arterie.

Das kann an der linken oder rechten Hand sein, je nachdem, welches Organ er prüfen möchte.

Er kann so einen leeren Puls von einem hohlen, einem sanften oder einem schwachen Puls unterscheiden. Ebenso einen vollen Puls von einem langen, kurzen, schnellem oder klopfendem Puls.

Unregelmässigkeiten und Veränderungen sowie Qualität und Intensität des Pulses, geben ihm Aufschluss über den Zustand der Organe und des Yin/Yang -Verhältnisses.

Ganz ohne Strom. Die Wärme ging von seiner Hand aus und wurde von seiner ruhigen Stimme verstärkt, als er mir diese kleine Lektion erteilte und wirkte dabei wie ein natürliches Heilmittel.

2006, Peter L. Kunz

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Rot und schön
Spieglein an der Wand, wer ist so schön und rot in unserem Land?
Du bist es. Eine Schönheit mit inneren Werten.

Immer bist du für mich da, beklagst dich nimmer, erwartest nicht mal ein Dankeschön. Keine Anforderung ist dir zu gross. Erinnerst du dich der schweren Momente, die wir zu bestehen hatten? Es war Mitternacht in Hongkong, als ich den Wohnungsschlüssel nicht mehr fand. Oder auf der Autobahn in Frankreich, als unser Motorrad streikte. Jedesmal hast du mir aus der Patsche geholfen. Auf dich ist stets Verlass.

Deinen Talenten und Stärken zum Trotz, nie kriegst du den Grössenwahn, nie drängst du dich in den Mittelpunkt. Alle lieben Dich. Einige ketten dich sogar an, um dich ja nicht zu verlieren.

Das Brot schneidest du mir in Scheiben und streichst die Butter drauf. Du öffnest Bierflaschen und ziehst Korken. Du schneidest Holzspäne, auf dass das Lagerfeuer entfächt. Du vierteilst die Enden des Cervelats, dass er beim Braten wie ein Schweinchen die Beine von sich streckt. Nichts ist dir zu banal um nicht gemacht zu werden.

Nach dem Essen räumst du die Speisereste aus den Zahnzwischenräumen. Du reinigst meine Fingernägel und feilst sie in die richtige Form. Steht unverhofft eine Einladung an, hilfst du mir beim Überraschungsgeschenk, machst mir einen Scherenschnitt und zupfst mir noch ein paar Augenbrauen, auf dass auch ich eine gute Falle mach.

Mein Schweizer-Sackhegel, ich liebe Dich.

© 2006 Peter Kunz

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Tipp aus dem 15. Jahrhundert
«Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf. »
Martin Luther

Als Werbetexter hätte er es wohl weit gebracht. Schade.

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Der Mensch ist ein beschränktes Wesen . . .

. . . unsere Beschränkung zu überdenken, ist der Sonntag gewidmet.

Johann Wolfgang von Goethe, wie recht Du hast. Du hast mich überzeugt und ich bin bereit, über meine Beschränktheit nachzudenken.

Mit einem einzigen Sonntag ist es allerdings nicht getan. Erst muss ich meine Beschränktheit akzeptieren lernen, was gewiss nicht leicht ist. Und wie gross ist denn diese Beschränktheit? Es wird einige Zeit dauern, mich deren Grösse bewusst zu werden. Noch schlimmer steht es um Anerkennung des Schadens, den ich in meiner Beschränktheit angerichtet habe.

Zudem ziehe ich das sonntägliche Fussballspiel dem Zitatelesen vor.
© 2006 Peter Kunz

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Das Montagsauto
Schon gehört davon? Oder am Ende bereits eines gekauft? Schade, das tut mir wirklich leid für Sie.

Kaufen Sie sich doch eine Freitagstasche. Der Name verspricht mehr als einen Wochenendsausflug. Sie erhalten Freiheit geschenkt.

Sie braucht kein Öl, keine Reifen, auch keine Versicherung. Geben sie ihr die Schulter und sie bleibt ewig an Ihnen hängen.

Sie macht Freude und gewinnt Freunde. Die Konkurrenz ist sprachlos. Nicht nur am Montag spricht man davon.
Sie ist robust und belastbar. Sie ist wasserdicht, trägt alles mit sich, klagt nie und lässt sich mit Benzin abwaschen.

Womit wir wieder beim Auto sind, was ich eigentlich nicht wollte.
Also weg davon.

Man kennt sie in den Anden und in Auckland, man trägt sie in Kapstadt und in Rovaniemi. Sie schlagen damit ein Rentier in die Flucht oder machen ein Krokodil unschädlich.

Freitag, ein typisches Schweizer Produkt. Passt perfekt. Hält ewig und führt den Trend an. Schönes Wochenende.

2006, Peter L. Kunz

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Ich bin immer noch Ferrari-Fan
Jetzt bin ich fast rot geworden. Es ist so, ich liebe diesen Namen. Ferrari. Was gibt der alles her.

Die Wagen sehen im Vergleich geradezu langweilig aus. Nur in den Farben und Reklameaufschriften unterscheiden sie sich voneinander.

Gewinnen kann jedoch nur ein Wagen, der am besten abgestimmte. Der kriegt den Champagner. Das Interview macht der Fahrer. Dieser bedankt sich beim Team. Das sind oft die, welche in den roten Overalls herumrennen und schreien.

Die hängen auch das Cockpit optimal zwischen die 4 Räder. Damit nimmt der Fahrer, sorry, der Pilot, die Kurven auf der Rennpiste und nicht durch die Luft.

Für die Luft, von der es für die Renningenieure immer zuviel hat, sind die Front und Heckspoilers da. Durch den Fronspoiler kommt ein Teil der Fahrtluft hinein und kühlt den Motor. Über die Heckspoiler kommt sie dann, flimmernd vor Hitze, wieder heraus. Heiss, für den der hinterher fährt.

Die Aerodynamische Form des Wagens, bringt zusätzlich Zeitgewinn. Die übrig gebliebene Fahrtluft liebt diese ideal geformten Körper. Diese leisten keinen Widerstand und geben sich dem Fahrtwind sanft hin. Der Höhepunkt kommt dann von selbst mit dem Podestplatz.

Obwohl in der Formel1 Benzin in Litern getankt wird, ist dessen Gewicht entscheidend. Je leichter, desto schneller. Da werden Zehntelssekunden gewonnen. Das Team das den Wagen am schnellesten tankt und damit zusätzliche zehntels Sekunden gewinnt, haben meistens hoch rote Gesichter. Viva Ferrari.

Die vier schwarzen Reifen am Wagen sind Gesprächsstoff von allen Fans. Sind sie zu weich, wenn's kalt ist oder zu hart wenn's heiss ist, hat man den falschen Reifenliefaranten. Für die Fans sind dann die Entschuldigunen der Ingenieure viel zu gummig, aber willkommener Gesprächsstoff.

Im Cockpit steckt nicht nur der Fahrersitz, sondern auch das Hirn des Wagens. Wenn der Fahrer auf die Lämpchen am Steuerad schaut, weiss er schon alles. Er muss dann nur noch auf's Gas- oder Bremspedal drücken.

Das Cockpit ist auch seine Lebensversicherung. Dieses muss die härtesten Crashtests aushalten, um von der Rennkommision zugelassen zu werden. Der Fahrer braucht nur einen gültigen Fahrausweis. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Forza Ferrari!

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Ich muss an die frische Luft

Mein Kopf brummt, die Worte stauen sich, der Text steht still. Raus aus dem Haus.

Aha, dieses Bistro ist neu." Neugierig betrete ich das Lokal, das auf meinem Weg liegt. Gleich vierstimmig und sehr herzlich werde ich begrüsst. "Falafel, griechischer Salat, Schischkebab" verspricht mir die gereichte Speisekarte.

Eigentlich wollte ich einen Espresso, aber warum nicht Salat?
Gesagt, getan. Und ein Glas Weisswein. Schon bald steht das Gericht auf dem Tisch. Ich sehe mich um. An der Theke sitzt die Wirtin und schaut ihrem Sohn zu, der zeichnet.

Der Salat schmeckt. Mit vollem Mund hebe ich den Kopf und in Umrissen nehme ich einen Zylinder auf schwarzem Anzug wahr. Ein Zauberer? Unbemerkt ist er aufgetaucht und ist im Begriff, die Serviertochter zu verzaubern.

Kaum bin ich am nächsten Bissen Fetakäse angelangt, hat er aus kleinen bunten Ballons eine Krone gezaubert und ihr auf den Kopf gesetzt. Sie lacht.

Eine Tomate, einen Schluck Wein. Der Wirt steht mit grünem Hut und einer dicken, roten Nase hinter der Theke. Das Lokal füllt sich mit Gelächter und ich ersticke beinahe an meinem Salat.

Der Zauberer mit schwarzem Zylinder bläst die Ballone in einem Atemzug voll, zieht und drückt, schlägt sie auf sein Knie, wirft sie in die Luft und fertig ist sein neues Werk. Flugs sitzt es auf dem Kopf der Wirtin: ein Hut mit Feder und um den Hals eine Halskette.

Noch ein Stück Gurke auf die Gabel und schon hat der Junge einen Säbel in der Hand. Ich schlucke einmal und bereits sitzt ein Helm auf seinem Kopf. Und im Nu hält er einen Schild in der anderen.

Plötzlich wird er lebendig und rennt hinter unsichtbaren Kriegern hinterher. Er jagt sie durch das Bistro und zur Tür hinaus. Ich zahle und gehe lachend nach Hause. Was für ein Zirkus, das Leben hat ein Streichholz angefacht und mir eine Geschichte geschenkt.
Vielen herzlichen Dank.

© 2005 Peter Kunz

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Mein lieber Gott . . .

Ja, mein Sohn, ich habe dich erwartet. Ich freue mich, von dir zu hören. Was bringt dich zu mir?

Sag mal, gibt es nur einen Gott?

Was denkst du?

Also, man sagt, es gebe Allah, JHWH, dich unter anderem . . .

Mich unter anderem? Was meinst du damit?

Ich bin neutral, ich habe da keine Meinung. Ich will mich mit niemandem anlegen.

Auch mit mir nicht? Wir sind unter uns.

Nein, lieber nicht.

Glaubst du, es gibt mehr als nur einen Gott?

Eigentlich nicht.

Warum glaubst du das?

Bei der Schöpfung kann nur einer die Hand im Spiel gehabt haben. Das erkenne ich am Stil.

Eine gute Antwort, mein Sohn, aber welcher von den genannten Göttern ist denn der richtige?

Das ist nicht so einfach zu beantworten.

Zweifelst du an mir?

Nein, nein, nimm es mir nicht übel, aber es sind so viele, die da genannt werden.

Denk einmal darüber nach.

Du bringst mich durcheinander.

Vielleicht, weil du es nicht gewohnt bist, solche Gedanken zu wälzen.

Also, ich mache nochmals einen Anlauf.

Eine gute Idee, mein Sohn. Nimm dir Zeit, ich bin in aller Ewigkeit für dich da. Ruf mich, wenn du bereit bist.

© 2005 Peter Kunz

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Sturm ist angesagt

Ich stehe am Ufer des Ozeans und folge gespannt den Wellen, die im Galopp auf den Strand zu fegen. Wie Warnlichter erscheinen die gelben und roten Regenponchos des Kameramanns und des Journalisten, die das Geschehen festhalten.

Fantastisch! Welch ein Bild. Ich stemme mich gegen den Wind; der Sand peitscht mir ins Gesicht. Zum Schutz der Augen setze ich die Sonnenbrille auf.

Blitze erhellen den Horizont und lassen die schwarzen Wolken übergross von der Decke baumeln, bevor sie wieder im Dunkel des Himmels verschwinden.

Ich gehe auf die farbigen Warnleuchten zu. Die rote winkt mich heran: "Was halten Sie denn davon?" Das Mikrophon unter der Nase und die Kamera auf mich gerichtet, erwidere ich völlig unvorbereitet, dass ich es genösse, hier draussen zu sein. Ein wahres Naturschauspiel mit einer preiswürdigen Regie.

Beim Weggehen höre ich sie munkeln: "Lösch es, das können wir nicht über den Sender bringen".

Ich gehe weiter meines Weges und lasse die beiden "Lichter" hinter mir.
2005, Peter L. Kunz

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Ich liebe ihn

Seine Verschmitztheit und seine Offenherzigkeit haben es mir angetan.

Er steht am gleichen Ort, wo ich ihn das erste Mal angetroffen habe. Er schaut zum Meer hinaus. Ein Kreuzfahrtschiff gleitet an uns vorbei. Ein eleganter, weiss flimmernder Fleck, der das dunkle Blaugrün des Wassers mit dem Hellblau des Himmels verbindet.

Hallo Gino, wie geht es dir?

Danke, ausgezeichnet, ich träume gerade von einer Schiffsreise. Stell dir vor, ich stehe mit meinem Rollstuhl am Pool und schaue den Girls zu. Sie flirten mit mir und sind von meiner Harmlosigkeit überzeugt. Von wegen, ha, ha, ha. Wir drinken, plaudern und lachen. Wie gefällt dir das?

Ich mag es dir gönnen, geniesse es.

Ich rufe sie bei beim Vornahmen und erhalte Ihre Telefonnummern. Sie suchen mich nachts in der Kabine auf, wo ich dann meinen Charme spielen lasse. Man weiss ja nie.

Er zwinkert mit einem Auge und schmunzelt schelmisch: "Nur eine Sorge habe ich" und schaut mir qualvoll ins Gesicht, "mein Rollstuhl kann alles, nur nicht schwimmen".

Er lacht aus vollem Hals dreht sich zwei mal im Kreis herum und fährt davon.

© 2005 Peter Kunz

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William Faulkner hat recht
"Meiner Meinung nach ist es eine Schande, dass auf der Welt so viel gearbeitet wird".

Aber heute ist Montag, die Arbeit wartet. Mietzins und Krankenkassen wollen bezahlt werden.

Essen und Weiterbildung haben ihren Preis. Vergnügen ist nicht billig. Gepart werden muss auch. Kommen noch Parkbussen, die Steuern, Spenden ...

Ginge es wenigstens mit weniger Stress?

Aha, du hast es erlickt.

Wie sitzest Du nur da, völlig versteinert. Entspanne Dich, du bist doch kein Denkmal.
Denk doch mal nach, die Energie die Du verpuffen lässt und wie müde Du nach Hause kommst.

Was machst du nicht alles gleichzeitig? Telefonieren, E-Mail beantworten, Kaffee trinken, Zigarette rauchen. Kriegst Du am Ende zweimal Zahltag dafür?

Entspanne dich, Du bist nicht im Zwangslager. Schliesse Deine Augen und atme tief ein und langsam wieder aus.

Öffne Deine Augen.

Ist nicht alles anders? Nun bist Du Herr über dich selbst, alles was Du ab jetzt an tust, machst du nacheinander. Zwischendurch schau mal zum Fenster raus, atme entspannt durch und prüfe deine Sitzposition. Du bist immer noch Herr über dich selbst. Alles geht gut. Nun greife zum Telefon, danach schreibe deine Emails und jetzt ab in in die Kaffeepause. Alles geht besser. Du spürst deinen Atem, du sitzt bequem, deine Arbeit macht Spass, du vergisst den Kaffee. Alles geht bestens. Was, schon Feierabend?

© 2005 Peter Kunz

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Eine starke Idee
Neugierig wie ich bin und dank meinem guten Gehör, verfolgte ich gestern in Bus eine interessante Geschichte. Hört gut zu!

Vor einigen Jahren kaufte Donald Trump ein mehrstöckiges Haus am Central Park.
Die Mieter, alles Millionäre, bezahlten seit 3 Jahrzehnen einen fixen und sehr niedrigen Mietzins. Rent Control, heisst diese städtische Regelung. Kein Hausbesitzer darf den Mietzins erhöhen, ausser ein alter Mieter zieht aus und neuer Mieter zieht ein.

Diese Bewohner konnten vom Wohnzimmer aus den Park sehen. Für ihre Spaziergänge mussten sie nur die Strasse überqueren.

Trump plante, die Wohnungen luxuriös auszubauen und an reiche New Yorker zu verkaufen. Den Mietern bot er viel Geld, wenn sie ausziehen würden.

Diese reagierten überhaupt nicht. Sie hatten doch schon alles, ein grosses Bankkonto, eine schöne Wohnung und diese wunderbare Aussicht. Auch die zweite und dritte Offerte ignorierten sie.

Trump liess daraufhin ein Baugerüst errichten und mit einer Kunststoffblache abdecken. Damit wollte er den Mietern die Lust am Haus verderben. Scheusslich, nicht wahr?

Die fanden jedoch eine Lösung für ihr Dilemma. Sie präsentierten einem Künstler eine Idee, der sie für einen fünfstelligen Betrag realisierte. Es musste ein Kunstwerk geworden sein.

Denn niemand zog aus. Die Zeit verging, die Blache nahm Patina an. Staub, schmutziges Regenwasser und Russ klebte an ihr. Sie machte einen armseligen Eindruck.

Trump wartete und wartete, nichts passierte. Nach ereignislosen Wochen, wollte er endlich wissen, warum niemand auszog. Er sandte einen seiner Mitarbeiter zum Objekt. Der kam ohne Ergebnis zurück.

Das zweite Mal wurde er fündig. Er berichtete seinem Chef, dass die Bewohner, trotz der Blache, den Park sehen könnten. Trump konnte das nicht fassen und wollte es mit eigenen Augen sehen. Als er auf dem Baugesrüst stand, staunte er.

Der Park war in hellen und leuchtenden Farben auf der Innenseite der Blache aufgemalt. Trump gab auf. Ihm hatte es nicht geschadet, er ist mit anderen Objekten noch wohlhabender geworden.

Dank Ihrer Inspiration, haben die Mieter das Abenteuer überstanden. Sie wohnen immer noch dort und die Sicht auf den Park ist farbiger denn je.
Inspiration macht das Leben bunt.

© 2006 Peter Kunz

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Die Peruaner aus Chuco
Mein kaputtes Objektiv erinnert mich an seinen Ersatz.

Also fahre ich zum Foto-Discounter. Beim betreten des Ladens drehen sich die ausgestellten Objektive in meine Richtung. Sie glitzern und lächeln mich charmant an, in der Hoffnung, ihrem Leben endlich Sinn geben zu können.

Das 28-300 mm gefällt mir gut, sehr verführerisch, auch das 35-135 mm, schaut vielversprechend aus. Aber lassen wir dem Herrn vor mir den Vortritt.

Er sucht eine simple Kamera, ohne Schnicke Schnack. Ich kann es nicht lassen und biete ihm meine Kenntnisse an. Nach dem Kauf, lädt mich der glückliche Kamerabesitzer zum Kaffee ein.

Er erzählt mir, dass er in Peru, in Chuco aufgewachsen sei. Auf 3000m Höhe, weit abgelegen vom nächsten Ort. Hier seien die Bewohner aus ihren Häuser gerannt, um das Postflugzeug zu sehen, das einmal im Monat, im Tiefflug, die Anden überflog.

Dieser fliegende Postbote und seine Destinationen waren der Gesprächsstoff bis zum nächsten Überflug. Das weckte Hugos Sehnsucht für die Ferne. Dieses Flugzeug sollte ihm helfen, seine Wissbegierde für Ferne Länder zu stillen.

Er hat seinen Traum realisiert. Jetzt grad erzählt er mir, wie wunderschön Zürich ist und dass ihn die Zugsfahrt durch die Schöllenen an die Anden erinnert hätte. Wellington, Macao, Paris, Barcelona und so viele andere Städte strickten wir in unsere angeregte Diskussion.

Er sei nach der Schule in die peruanische Armee eingetreten, wo es Sold gab und als Geschenk hätte er Disziplin und Ordnung gelernt. In Lima, beim Wache stehen auf einen Militärflugplatz, setzte er seinem Traum die Flügel auf. Einen Monat später sass er im Flugzeug nach Amerika. Chicago und ihre Börse wurde seine neue Heimat.

Vielen herzlichen Dank Hugo, dass du auch für mich in der Welt herumreist bist, deine Geschichte hat mich bereichert. Du bist Beweis dafür, dass unsere Träume eine realistische Seite haben.

2005, Peter L. Kunz

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Alles rollt bestens
Auf dem Gehsteig vor mir kämpft Susana, Latina (66) – ich kenne sie von meinen Busfahrten –mit dem Schaltknüppel ihres Rollstuhls.

Das Gefährt dreht sich wie ein wilder Mustang um seine eigene Achse. Er scheint nicht geneigt zu sein, die Richtung seiner Fahrerin einzunehmen. "Kann ich helfen, Susana?". Frustriert schaut sie mich an: "Nein danke, ich komme schon klar". Offensichtlich will sie das Rodeo ohne meine Hilfe gewinnen.

In der Garage gegenüber bitte ich dennoch den Mechaniker um Hilfe. Wir überqueren die Strasse und sehen Susana neben ihrem Mustag stehen. Wütend rüttelt sie daran, zerrt und tritt mehrmals gegen ihn. "Wie ist denn das geschehen?" erkundige ich mich nach ihrer Wunderheilung. Schon sehe ich mich mit meinem Interview in den Schlagzeilen der New York Post.

"Was heisst da Wunder? Ich bin gut zu Fuss. Die Sozialhilfe zahlt zu wenig. Mit einer Lähmung rollt mehr Geld. Sie übernimmt Kosten und Unterhalt für das Gefährt. Ich bin motorisiert und mache bezahlte Botengänge und erst noch steuerfrei."

"Ist sie etwa mit Gino Moretti verwandt", geht es mir durch den Kopf. Inzwischen hat der Mechaniker das Fahrzeug instand gesetzt. Ich atme auf. "Ciao Susana", rufe ich ihr zu und gehe meines Weges. Instinktiv blicke ich zurück. Was sehe ich denn da? Susana drückt dem Mechaniker eine 20 Dollar-Note in die Hand und sagt "Ciao Papi".

© 2006 Peter Kunz

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Feuer! Feuer!
"Halt, warten Sie einen Moment!", fordert mich der Feuerwehrmann auf dem Gehsteig auf.

"Unser Feuerwehrauto muss zurück ins Depot." Auf meine Frage nach der Ursache des Einsatzes, antwortet er, "Wir kommen von einer Rettungsaktion zurück." Er scheint enttäuscht zu sein, seine Antwort klingt emotionslos.

"Immer noch besser als eine Feuersbrunst", erwiedere ich ihm. "Oh nein, ich liebe Feuer", lacht er fröhlich. Er lebt auf. Seine Augen leuchten. Irritiert schaue ich ihn an und bemerke wie sein Gesicht Feuer-Rot wird. "Zündet der am Ende Häuser an?", fährt es mir durch den Kopf.

© 2006 Peter Kunz

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Per Zufall gehört
Heute begegnete ich einer Mutter mit ihrem Sohn.

Die Mutter: "Wieso hast du dein Spielzeug verlieren müssen?"
"Mami, ich habe es nur in der wirklichen Welt verloren, ich spiele ja immer noch damit."

© 2006 Peter Kunz

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Der einsame Wolf
Am Anfang war Gott.

Dann schuf er Wolf Schneider.
Der langweilte sich.

Gott gab ihm das Wort.
Wolf begann zu schreiben.

Gott las die Texte und fand sie Fehlerfrei.
Wolf wollte mehr.

Gott schenkte ihm Adam und Eva.
Die Leserzahlen stiegen.

Jetzt hat er Wolf sein Büro überlassen.
http://www.wolf-schneider-sprachseminare.com/
© 2006 Peter Kunz

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Meine liebe Elektronik
Wie bloss müsste ich leiden, wenn es Dich nicht gäbe.

Wie damals in der Schule. 7 war ich und Künstler im Dekorieren von Schulheften, wo meine Feder unverwischbare Spuren hinterliess.

Das nahm ich gelassen hin. Beim Umblättern der Seiten, fielen die Kleckse aus meinem Gedächtnis. In der Mitte des Heftes angelangt, wurde ich meines Tuns bewusst. Wehe mir, wenn der Lehrer es zu Gesicht bekommt.

Wie weiter? Ideen muss man haben. Kurzum mache ich die Rückseite zur Vorderseite. Ein neues Heft ist da. Verängstigt starren die leeren Seiten auf meinen Federhalter. Die Schelte des Lehrers habe ich überlebt und die beklecksten Schulhefte behalten.

Nun kleckse ich nicht mehr. Die Tastatur ist mein neues Werkzeug. Sie liebt unbeschriebene Seiten.

Nur der Kopf, der muss weiter denken.

© 2006 Peter Kunz

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Die falsche Richtung
Der Cop auf dem Fahrrad drängt den Asiaten, einen Fahrradkurier, brutal an den Gehsteigrand.

"Du kommst aus der falschen Richtung." zischt er. Der Chinese zuckt mit den Schultern. "Du bist aus der falschen Richtung gekommen." wiederholt der Cop. Die chinesischen Schultern zucken abermals.

Der Cop schaut sich um. Er ruft einen chinesischen Strassenhändler zu sich. "Sprichst du englisch?" Die chinesischen Schultern zucken. Der Cop schüttelt den Kopf. Ein junger Chinese im Anzug und Aktentasche kommt des Weges. Der Cop spricht ihn an. "Kannst du meine Worte auf Chinesisch übersetzen?" Der junge Mann mustert den Fahrradkurier, der mit gesenktem Kopf da steht und danach den Strasenhändler, der ihn unschuldig anblickt. Er schaut dem Cop ins Gesicht und lässt seine chinesischen Schultern zucken.

In diesem Moment geht auf der anderen Strassenseite eine Schlägerei los. Der Cop lässt von den drei Asiaten ab und überquert eiligen Schrittes die Strasse. Die drei Chinesen schauen sich an, nicken sich zu und gehen ihres Weges. "Made in China" mehr und mehr präsent in den Vereinigten Staaten.

© 2006 Peter Kunz

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Eva's Empfehlung
Adam, nimm doch endlich Vernunft an und iss ihn.

Nein, lass mich in Ruhe.

Aber du weisst es, deine Gesundheit liegt mir am Herzen.

Ich weiss doch, aber ich bin gesund genug.

Du nimmst mich nicht ernst, Adam, dieser Apfel enthält Pektin und eine Menge Vitamine. Die helfen . . .

Eva, schau mal, wir sind hier im Paradies und da gibt es keine Krankheiten. Also was soll das alles?

Du weisst nie, was geschehen kann. Vielleicht können wir nicht ewig hier bleiben.

Mach keine solchen Witze. Deine Fantasie geht mit dir durch. Vielleicht isst du zuviele Äpfel.

Du hörst mir nie zu. Bitte sei doch . . .

Mir reicht es, ich ziehe es vor, an der frischen Luft zu sein und zu wandern. Das hält mich fit.

Und wie steht es mit deinen Zähnen? Aepfel enthalten Säuren und Gerbstoffe, die den Bakterien in deinem Mund den Garaus machen.

Such dir Arbeit in einem Reformhaus, das würde dir sicher gefallen.

Adam, allein deine Raucherei macht dich zum Kandidaten für den Arzt. Äpfel würden zumindest die fehlenden Vitamine und Antioxidianten liefern und das giftige Nikotin ausscheiden.

Ich gehe.

Muss ich dich verführen, damit du vernünftig wirst?

Hmmm!

Adam, wo bist duuuu?

Peter L. Kunz

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Gestresst
Gehe ich doch zu Fuss nach Hause, dachte ich.

Meine grauen Hirnzellen arbeiten auf Hochtouren: unerledigte Projekte, Termine, Einkauf für das Abendessen.
"Doch nicht so", sagt mir mein Kopf und streikt. Meine Gedanken haben sich unkontrolliert ineinander verstrickt und streiten darum, wo mehr Hirnzellen für ihre Denkarbeit zu ergattern sind. Ein unkontrolliertes Chaos herrscht in meinem Kopf.

Die Schultern verspannen sich, die Hände ballen sich zu Fäusten und selbst mein Atem entsinnt sich nicht mehr seiner Aufgaben. Also so rasch wie möglich heim. Huup, huup, schreckt mich eine Autohupe auf. Das unausweichliche "Idiot, kannst du nicht aufpassen" bringt meine Gedanken noch mehr durcheinander. Jetzt meldet sich mein Instinkt, der mir empfiehlt, nicht zu reagieren. Ich halte inne, nehme einen tiefen Atemzug und lasse die Schultern hängen.

Der Tag war schon den ganzen Tag lang angenehm warm, der Himmel blau, gefüllt mit grossen Wolkenballen. In diesem Augenblick bemerke ich es und lasse mich einfangen. Unablässig folgen meine Augen den weissen, aufgequollenen Wolken, die sich harmonisch vom Blau des Himmels ablösen. Nun bewege ich mich in einer anderen Welt und lasse mich darauf ein. Lockeren Schrittes nehme ich den Weg unter die Füsse.
Meine streitenden Gedanken haben sich gemässigt, meine Schritte sich verlangsamt, der Atem sich harmonisiert und der Kopf sich entspannt.

Und das Fazit der Geschichte: Kann ich mich gleichzeitig mehreren Gedanken widmen? Nein, es ist den Stress nicht wert. Schau in den Himmel, geniesse den Moment! Die Energie, die Du dabei tankst, entwirrt Deine Sinne und lässt Neues entstehen.
Ein Blick zum Himmel lohnt sich.

2005, Peter L. Kunz

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The Killer
Er muss mich in der Subway entdeckt haben, obwohl ich mich gegen das Fenster richtete, um den Blicken der Passagiere zu entgehen.

Meine übliche Vorsichtsmassnahme hat versagt. Ich bin erkannt worden und befinde mich offensichtlich in Gefahr.

Beim Verlassen des Wagens ist er mir gefolgt. Auf dem Weg nach Hause fühle ich seine Anwesenheit, ohne ihn jedoch zu Gesicht zu bekommen. Sorgen kommen auf. Früher hatten mir in ähnlichen Situationen meine Reflexe geholfen, meine Verfolger ins Leere laufen zu lassen oder sie zu eliminieren.

Doch diesmal ist es anders. Wo ist bloss mein Instinkt? Liegt es am Alter oder an meiner Müdigkeit, dass er mich ausgerechnet jetzt im Stich lässt? Meine Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Immer schnelleren Schrittes nach Hause schreitend, versuche ich meinen Verfolger anzuschütteln. Uff! Es ist geschafft. Erleichtert schliesse ich die Tür hinter mir.

"Was ist das?" Oh Schreck, der Killer ist in der Wohnung.

In der Küche muss er sein. Sicherlich ein Vertreter der neueren Generation, gegen die ich nicht gerüstet bin. Keine Waffe, nichts. Wohl oder übel muss ich mich mit blossen Händen verteidigen. Meine Nerven liegen blank. Vielleicht mag mich der Fernseher vor der drohenden Gefahr abzulenken. Oh ja, der Werbeblock ist genau das Richtige. "Fieber, Kopfweh, Muskelschmerzen und Frösteln?" tönt es aus dem Lautsprecher. "Schützen Sie sich vor dem gefährlichen Killer-Virus. Unser Antigrippe-Medikament befreit sie rasch von den quälenden Beschwerden. Auch zur Vorbeugung geeignet. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!"

Ich bin nochmals davon gekommen.

© 2005 Peter Kunz

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Gino Moretti, der Italiener
Der elektrisch angetriebene Rollstuhl steht an der Strand-Promenade. Sein Fahrer, etwa um die 60, spielt mit dem Steuerknüppel.

Er wendet den Rollstuhl mehrere Male nach links, dann nach rechts und schliesslich in Richtung zum Ozean.

"Heute Abend sind die Wellen hoch. Da kommt etwas auf uns zu", murmelt er vor sich hin. Aufmerksam höre ich ihm zu. Mitleid übermannt mich.

Er blickt mich an und sagt, "Ich bin Gino Moretti aus Genua. Dieser Strand ist meine zweite Heimat geworden."

"Armer Kerl und ganz allein", sagt mir mein Mitleid.

Plötzlich dreht er seinen Rollstuhl nach links und ich sehe, wie er drei jungen Frauen nachschaut. "Das Fahrzeugs ist sehr wendig", bemerke ich. Sein stolzes Lachen lässt mein Mitleid etwas reduzieren.

"Mein Rollstuhl ist 6 Jahre alt und hat einiges gekostet."
Der sähe ja wie neu aus, erwidere ich ihm. "Ja ja, ich habe ihn letztes Jahr das erste mal hervorgenommen. An jenem Tag war es fürchterlich heiss. Seither sind wir unzertrennlich."

Er lacht wieder. Diesmal spitzbübisch. "Ich spare das Taxi und den Bus. Ich fahre direkt ins Restaurant und an meinen reservierten Tisch. Das ist praktisch. Ich fahre zum Super-Markt, zur Toilette und ans Bett".

Mein Mitleid löst sich langsam auf.

Stolz führt er mir die 5 Gänge vor. "Der Wagen bremst automatisch, sobald ich den Steuerknüppel los lasse. Das ist praktisch. Sollte ich einmal in Ohnmacht fallen, steht er automatisch still".

Armer Kerl, denke ich wieder.

"Wir müssten alle so einen Rollstuhl haben, das Leben wäre viel angenehmer. Man schwitzt nicht mehr".

Ich sehe, wie er beim Erzählen seine Beine in die Höhe wirft. Er schaut mich an und schmunzelt. "Ja, du hast richtig gesehen, ich könnte schon gehen, aber ich mag nicht".

Er lacht, wie Gino Moretti eben lacht und fährt mit 20 km/h davon. Mit ihm verschwindet auch mein Mitleid und macht einem Schmunzeln Platz.

Mit einer schönen Geschichte im Kopf, schlendere ich zufrieden nach Hause.

© 2005 Peter Kunz

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Imagine
Stell dir vor . . .

. . . es gäbe keine Grenzen, nichts wofür man Kriege führt, stell dir vor . . .

Leise summe ich John Lennon's Lied und lasse meine Gedanken wandern.

Wem begegne ich? Der Unsicherheit, die sich versteckt. Der Angst, die starr verharrt und der Traurigkeit, die langsam stirbt.

Ich sehe Grenzen, die keine sind. Ich nehme Kinder wahr, die wahrhaftig sind und treffe die Hoffnung voller Zuversicht.

Und da! Es ist die Begeisterung.

Visionen kennen keine Grenzen. Nicht's kann uns aufhalten, ausser wir selbst.

Oder wie John Lennon es sagt: "It's easy if you try."

© 2005 Peter Kunz

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Lust, Fantasie oder Verstand?
Drei herrlich glänzende Erdbeeren lachen mich an. Ihre rote Farbe leuchtet mir freudig entgegen.

Der weisse Boden, auf dem sie sitzen, lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen. "Greif zu" flüstert die Lust mir zu. "Stell dir vor, wie süss sie schmecken“, unterstützt sie die Fantasie.

Nun meldet sich noch der Verstand: „Pass auf, denk an dein Gewicht und an Deine Gesundheit. Da ist viel Fett drin, das den Cholesterinspiegel erhöht!“.

„Der Zucker tut Deinen Zähnen nicht gut. Karies und Zahnfleischentzündungen sind die Folgen. Lass es lieber!“

Mein Herz setzt sich liebevoll zwischen die beiden Argumente. „Schaut mal, jemand hat diese Torte mit viel Liebe gemacht. Verdient nicht schon allein die Dekoration Euren Applaus? Wollt Ihr dem Pattissier tatsächlich die Freude vergällen?“

Könnte nicht ein Schnitte davon Dich glücklich machen? Mit Kaffee oder Tee und ohne saures Gewissen? Und nach Hause gehst du einfach zu Fuss.

Vielen Dank mein Herz, Deine Lust und Fantasie!

© 2005 Peter Kunz

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Asphalt Kau-Boy
Meine Gedanken kreisen um einen Café au Lait, einem getoasteten Baguette und einem . . .

ups, was ist denn das?

Mein rechter Fuss klebt auf dem Gehsteig.

Mit aller Kraft ziehe ich ihn weg. Zwischen Asphalt und meiner Schuhsole spannen sich klebrige Fäden. Aha, das ist die Kombination von Zucker, Polyisobuten, Aluminiumoxyd, Kieselsäure oder Zellulose, zusammen mit einem Weichmacher und wahrscheinlich auch Feuchthaltemittel und Antioxidantien, durchmischt mit Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren. Scheusslich!

Ich ziehe nochmals. Die Verbindung zum Boden reisst ab. Jetzt nur nicht zurück auf den Asphalt. Auf dem linken Fuss balancierend, gedanklich nahe der Lösung für meine Misere, hüpfe ich zur nächsten Strassenlaterne. Die gibt mir Halt, um einfüssig der klebrigen Masse Zeit zu geben, um zu trocknen.

Es dauert eine Weile. Dieses widrige Monster zeigt mir seinen schlechten Charakter und bleibt einfach kleben. Was ist der Trick, es los zu werden? Der Gedanke an Café au Lait und einer mit Marmelade bestrichenen Baguette geben mir die erforderliche Kraft, mich zu befreien. Geschafft! Die Masse bleibt am scharfen Gehsteigrand kleben.

Hallo Café und Baguette, ich komme.

Wer hat den Kaugummi erfunden?

„Was ist denn geschehen?“, fragt mich George, der Bistro-Besitzer. Welch herzhaftes Lachen uns die Geschichte beschert.

© 2005 Peter Kunz

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Heute keine Parkgebühren
Der Obdachlose überquert die Strasse. Regen prasselt auf seinen feuerroten Regenschutz.

Er geht auf den Mann zu, der neben einer Parkuhr steht. Den Regenschirm zwischen Schulter und Wange geklemmt, versucht er den Schlitz mit Kleingeld zu füttern.

„Vergiss es!“, sagt der Obdachlose. „Heute werden die Parkuhren nicht kontrolliert. Wenn’s regnet, sitzen die in David's Café und spielen Poker.“

Der Mann schaut ihn ungläubig an und blickt zum Himmel. Er hält einen Moment inne und drückt dem Obdachlosen das Geld in die entgegengestreckte Hand.

Ausgleichende Gerechtigkeit.

© 2005 Peter Kunz

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Das grosse Sonntagsinterview
Applaus, Applaus

Lieber Gott, ich begrüsse dich im Namen aller Zuschauer, denen im Saal und denen zu Hause vor dem Fernseher.

Herzlich Willkommen.

Danke schön! Applaus, Applaus – danke schön - Applaus

Da dich alle Zuschauer kennen, muss ich nicht viel über dich erzählen.

Meinst Du wirklich?

Ja, ich glaube schon. Dich kennt doch jeder Knirps.

Gut, ich schätze es, so bekannt und beliebt zu sein.

Darf ich mit der ersten Frage beginnen, lieber Gott?

Ja, sicher, mach es dir einfach. Ich bin sehr umgänglich.

Sag mal, wie bist du eigentlich hierher gekommen?

Habe nicht ganz verstanden. Hast du gefragt, warum ich hierher gekommen bin?

Nein, äh, eigentlich ja.

Also, das ist einfach zu beantworten. Ich bin hier, um euch meine grenzenlose Liebe zu schenken.

Ah, das finde ich toll von dir.

Weisst du, schenken macht mir Freude.

Sag mal, was hältst du eigentlich von uns Menschen?

Ist das nicht eine Frage, die Ihr selber beantworten müsstet?

Vielleicht schon, aber deine Meinung ist uns wichtig.

Traust du dir die Antwort nicht zu?

Doch, doch, no Problem.

Also, sage es uns.

Okay, siehst du, es ist so. . . Also, hmm . . . eigentlich. . . Ich glaube, wenn . . .

Leider müssen wir dieses äusserst interessante Interview abbrechen. Das Finale der Fussball-Weltmeisterschaft steht an.

Vielen Dank für's zuschauen und bis zum nächsten Mal.

© 2005 Peter Kunz

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Der Vogel, der mit dem Bus tanzte
Im Bus sitzt er neben mir und schaut mir frech ins Gesicht.

„Was für ein sympathischer Kerl“, sage ich mir. Seine Augen leuchten schelmisch. Dann blickt er weg, blickt zur Decke und wieder zu mir.

Er treibt das Spiel eine ganze Weile. Auf seiner Schaukel balanciert er den federleichten Körper mit den Bewegungen des Busses. Er putzt seine Federn, betrachtet die Umgebung und genehmigt sich gelegentlich ein Körnchen.

Wiederum richtet er den Blick zu mir, als wollte er sagen „Gäll, das chasch halt nöd!“ Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

Tatsächlich, der Vogel tanzt mit dem Bus und amüsiert sich köstlich. Locker hüpfen sie über die Schlaglöcher. Und er vermittelt mir eine kleine Weisheit: Geniesse den Moment, nimm ihn so wie er ist. Manchmal liegt sogar ein Tänzchen drin.

© 2005 Peter Kunz