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Ueli der ewige Knecht

"Ueli!, chunsch jetzt endlich emal, de z'Nacht isch fertig".

Uelis Stirn faltet sich. Er ist ratlos, wie alle Bundesräte. Darum atmet er tief ein, damit er sein Hirn mit Sauerstoff füllen kann. Ein Atemzug reicht für sein Hirn und für den ganzen Abend.

"Ja, ja, chumme scho, ich mues no e Schtellig usprobiere".
Seine rechte Hand schiebt ein Zinnsoldaten-Batallion gegen Norden.

"Du mit dine Schtellige", erwideret seine Frau Anne-Claude und nimmt den Moscht aus dem Kühlschrank.

Ueli studiert seine neue Verteidigungs-Strategie.
"Also, wänn die Dütsche eus agrifed . . ", er schmunzelt schlau. Ueli hat so seine Ideen. Die darf ich hier nicht preisgeben. TOP SECRET.

"Aber d'Italiener han ich fascht vergässe. Die wänd eus doch nur an Chäs".

Ueli legt einige Zinn-Marines ins Gebüsch. Die werden wir schön verschrecken.

"Was aber, wenn die Österreicher . . .", jetzt steht ihm der Schweiss auf der Stirn. Der rollt über seine Falten wie gemütliche Snow Boarder auf nassem Frühlings-Schnee.

Rasch wischt er die Zeichen von Stress eines Militär-Experten weg. "Zeige nie Emotionen vor dem Feind". Er erinnert sich an seine Lehrjahre mit dem Christoph.

"Die Österreicher sind gefährlich. Also hier auf dieser Flanke sind wir noch schwach. "Panzerfallen?" murmelt er vor sich hin. "Haben die überhaupt eine Armee?" geht es dem Ueli durch sein Soldaten-Kopf. "Ach was, die packen wir doch mit ein paar Nagel-Brettern".

"Häsch a d'Liechteschteiner dänkt?", fragt seine Frau Anne-Claude , welche jetzt hinter ihm steht. Ihre Augen leuchten, ihr Herz schlägt kräftig und wehrhaft in ihrer Brust. Ueli schaut ihr in die Augen und dann auf ihr Herz. Auch seine Augen beginnen zu leuchten.

"Aber Ueli, nöd jetzt!", lacht sie ihn an. "Konzentrier dich auf die Verteidigung unseres Landes".

"Ohä Lätz, du hast recht, die Liechtensteiner habe ich vergessen. Ja, ein paar Sandsäcke genügen da wohl, was meinscht?"

Das Telefon läutet. Anne-Claude nimmt ab. "Ah, de Chrischtoph?" Ruckartig zieht sie Ihre Schultern nach hinten und nimmt eine schneidige Haltung ein. "Entschuldigung, Grüezi Herr General, äh nei, Herr Blocher, was därfs dänn hüt si?"

Anne-Claude's Atmen steht stramm. Sie hört angespannt zu. "Ja, sicher", "ja, sofort", Aber ja", "Ja, das mached mer".

Das sind die erlaubten Texte, welche der Schweizer Geheimdienst der Presse überlässt. Mehr nicht. Es geht hier nämlich um mehr.

"Adieu Herr Blocher", sagt sie noch und wendet sich ihrem Ueli zu. "Du, Ueli, öppis händ mir total verschwitzt, d'Amerikaner!".

"Oh ja, die wänd ja euses Bankgheimniss knacke. Ich mues das alles wieder emal allei mache. Also mer nämed das Bankgheimnis zu eus hei, gäll Anne-Claude. Chasch es is Tieffgfrühr-Fach lege".

"Aber wie wehrsch Du dich gäge die, wänn's chömed?"

"Ich mues halt no einigi Atombombe bschtelle. Schrib mer das au na uf de Poschti-Zettel. Für die bescht Armee isch nüt z'billig.

Die sölled nu emal cho", denkt er. Ueli steckt seine Hände in die Hosensäcke und lässt einen Kehlkopfschlag-Jodel von sich. "Jouououlu Jojuououou!", was etwas so zu übersetzen ist, "Dene werded mir das scho zeige". Wie immer splittert damit etwas Farbe vom selbstgemalten Bauernbüffet weg. Dann sagt er entspannt, "So, jetzt hani Luscht nach emene Cervelat und Moscht".

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