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Aus der Ewigkeit gefallen

Ich bin unterwegs. Die Landschaft bezaubert meine Sinne.

Düfte, Farben und Formen, die Klänge die ich wahrnehme, diese Atmosphäre ist die Welt in der ich mich seit jeher bewege. Alles tun geschieht von Moment zu Moment und alles gelingt mit Leichtigkeit. Liebe ist der Antrieb und Motivation für alles tun. Es lässt mich das Leben erleben und es ständig neu kreieren.

Hier lebe ich in der Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft oder eure Illusion existieren nicht.

Ich bin unterwegs . . .

Was istdas? Ein gewaltiger Stoss lässt mich nach vorne fliegen.

Etwas hat mich durchgerüttelt. Erstaunt schaue ich um mich.
Da ist die Autobahn. Inmitten unzähliger Fahrzeuge bewege ich mich vorwärts. Ich werde von allen Seiten gestossen.

Die atemberaubende Landschaft, das sanfte Licht und die angenehme Ruhe die ich bis vorkurzem genossen habe ist weg. Mein Herz pocht. Mein Körper schmerzt.

Ich spüre meine feuchten Hände am Lenkrad.

Hier geht es rauh zu und her. Die Autos reiben ihr Blech aneinander. Es schrammt und quitscht. Es wird gestossen und geschoben. Ich sehe die Fahrer mit verkrampften Gesichtern. Sie alle starrennach vorne und kämpfenum bessere Positionen.

Autowracks liegen am Rand der Autobahn. Viele sind vom Rost überzogen, anderen blättert die Farbe von der Karosserie, einige liegen auf dem Dach oder auf der Seite.

"Reparatur", "Abschleppdienst", "Spritzwerk", lese ich auf den vorbeiziehenden Tafeln.

Wo bin ich nur hingeraten?

Meine Sehnsucht nach der verloren Harmonie vermischt sich mit dem Gefühl von Einsamkeit und Trostlosigkeit. Traurigkeit macht sich bemerkbar in mir.

Hier geht es um etwas, von dem ich keine Ahnung habe. Warum diese hässliche Stimmung? Diese Aggressivität und Rücksichtslosigkeit?

Warum kämpfen alle so verbissen um ihre Position? Es fühlt sich an wie Krieg.

Ich muss hier raus. Koste es was es wolle. Meine Arme schmerzen, die Zunge ist trocken und dieAugen brennen.

Eine Verkehrstafel taucht auf. "Freiheit", lese ich und schon bin ich an ihr vorbei.

Da, eine weitere Tafel, "Harmonie", entziffere ich.

Mein Instinkt ist geweckt.

Ist das die Gelegenheit hier wegzukommen. Mein Entscheid ist gefällt.

Ich befinde mich an einem Knotenpunkt, mit mehrere Ausfahrten. Ich bin bereit von hier wegzukommen.

Es sieht aus, als hätten andere denselben Gedanken. Einigen gelingt die Flucht. Mit einem schlauen Manöver wechsle ich in die nächst liegende Spur.

Geschafft. Böse Blicke und beleidigende Handzeichen sind das Resultat. Beinahe schon gelassen schaue ich weg. Mir fehlt noch eine Fahrspur zur Flucht.

Jetzt. Meine Chance ist da. Ich drücke auf's Gaspedal und stosse mit aller Kraft nach Aussen. Geschafft.

Mit der Zeit gelingt es mir, mich gegen dieses aggressive Benehmen zu wehren. Es beginnt mir Spass zu machen. Mein Ehrgeiz ist geweckt, meine aufgestaute Wut liefert mir die Energie dazu. Mal sehen, wer hier der bessere ist. Wartet nur, euch werde ich es noch zeigen.

Mit jedem Krachen und jedem kleinen Sieg über den anderen fühle ih mich besser. Die Harmonie, welche mich einst begleitet hat, ist verblasst. Hier wachse ich in etwas neues hinein. Um zu überleben muss ich wohl oder übel mitmachen.

Ich spüre meinen Wetteifer. Denen werde ich es beweisen. Mich kann man nicht so einfach herumschubsen.

Da, eine neue Ausfahrt taucht auf. Jetzt aber rasch weg. Ohne Rücksicht und ohne Erbarmen drücke den Wagen nach aussen und hinein in die neue Fahrspur.

Geschafft. ich befinde ich mich auf einer neuen Autobahn.

Kaum habe ich mich auf der äussesten Fahrbahn eingerichtet, spüre ich diesen gewaltigen Schlag von hinten. Wieder fliege ich nach vorne, dieses mal verliere ich für einen Moment das Bewusstsein. Mein Körper schmerzt, Blut tropft von meiner Stirn. Ich beisse auf die Zähne und schwöre mir, nicht nach zu geben.

Die Fahrer um mich herum spielen dasselbe Spiel, jedoch mit härteren Mitteln. Ich komme nicht dazu, mich auf dieser Fahrbahn zu halten. Das hier scheinen andere Kaliber zu sein. Nach wenigen Minuten stecke Ich wieder auf der mittleren Spur.

Achtzehn Spuren zähle ich. Hier werde ich einfach mitgestossen. Ich bin machtlos.

Wahnsinn. In was für eine Realität bin ich da nur hineingeraten? Kann ich das überleben?

Die Tafeln an den Ausfahrten stehen jetzt weiter weg. "Freiheit" und "Harmonie" winken meiner Seele zu, welche die Erinnerung an den Anstand und die Rücksicht verliert.

Ich entscheide mich, das Spiel mitzumachen. Ich schnalle meinen Gurt an, atme tief ein und drücke auf das Gaspedal. Ich verliere allen Anstand und jegliches Mitgefühl. Hinein in die Schlacht.

"Weg da, du Saukerl, mach Platz", schreie ich und drücke meinen Wagen seitwärts. "Hau ab. Dir werde ich's zeigen" . . .

"Was ist das?"
Ein angenehmer Klang erreicht mein Ohr.

Der Sperling. Er pfeift fröhlich in den Morgen.
"Wo war ich?"

Ich folge seinem Gesang und lasse mich wegtragen.

Ein neuer Tag wartet darauf, von mir gestaltet zu werden.

The four Swiss

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