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Heiliger Stuhl
Er ist aus kräftigem Holz geschreinert. Aus einem kleinen, lieblichen Wald. Antonio hat ihn mit viel Liebe gestaltet und seine volle Kreativität dafür genutzt. Es ist sein Meisterwerk geworden. Nur, seine Zukunft konnte er nicht beeinflussen. So hat er ihm viele Tränen nachgeweint, denn er wusste viel über das Leben und wie es jeden herum schütteln kann, wenn man am falschen Ort landet. So ist dieser Stuhl in ein grosses katholisches Haus gekommen und dort pompös ausstaffiert worden. Man wollte alle damit beeindrucken. Seit jener Zeit ist er katholisch und steht immer noch am gleichen Ort. Er ist heilig. Warum weiss er nicht. Er weiss nicht einmal was heilig ist. So steht er halt einfach da, schweigt und ergibt sich seinem Schicksal. Heute leidet er an Altersschwäche. Es muss Arthritis sein. Er weiss es, denn alle die auf seiner Sitzfläche gesessen haben, hatten darunter gelitten. Deshalb will er als Heiliger Stuhl aufgeben. Er hat genug von allem. Alles schmerzt ihn. Überall. Er ist auch geplagt von dieser Heuchelei um ihn herum. Diesen ewigen Heimlichtuereien. Diesen ständigen Lügen, die er sich anhören muss. Und vom ewigen Geiz. Er hat einfach genug. Eigentlich sind seine Gebeine schon dem Frass der Würmer ausgesetzt. Er weiss es, seine Zeit ist gekommen. Auch Antonio kann ihm nicht mehr helfen. So wird er wohl als Kaminholz abdanken. Mit einer schwarzer Rauchwolke über Rom. Als sein letzter und wirkungsvollster Auftritt. Der Papst muss von dann weg stehen, was ihn zur Abdankung zwingen wird. Kein Stuhl, kein Papst. Keine Heiligkeit. So einfach ist es. Von dann weg kann man als freier Tourist Rom besuchen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

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