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Erinnerung aus der Zukunft
Ein Schatten gleitet leichtluftig über die unberührte, grün-blaue Landschaft. Er bewegt sich so geruhsam wie ein Wanderer auf seinem geliebten Pfad. Sein Schattenflug über die Unebenheiten am Boden, macht den Eindruck als tanze er über die Landschaft. Über dem Wasser verzaubern kräuselnden Wellen seine Form in ein anmutiges Flimmern. Das Fahrzeug bewegt sich Richtung Urwald.

Der Kapitän steuert das Schiff mit den Gedanken. Dessen Schatten hat einen Durchmesser von fünf Meilen. Sein Rahmen ist aus dunklen Material gebaut. Er schluckt alles Licht und macht seinen Schatten zum dunklen Begleiter der fliegenden Plattform. Sein Boden ist aus Glas gestaltet. Durchsichtig. Will man die Landschaft näher betrachten, denkt man sich das einfach aus und schon ist deren Vergrösserung sichtbar. Für den Bewohner aus dem Atomzeitalter braucht dies eine Angewöhnungszeit.

Die Menschen, welche zusteigen, begrüssen sich mit freundlichem Lachen. Da ist kein Laut zu hören. Alle verständigen sich mittels Gedanken. Mit einer Sprache, welche sich nicht aus Worten und Sätze zusammen setzt. Vielmehr sind es Bilder, solche die unvergleichbar sind mit jenen aus Frühzeiten der Menschheit. Ein einziges Bild beinhaltet mehrere Sätze oder oft eine ganze Geschichte. Diese Bilder werden im Gespräch ständig von nachfolgenden Bildern abgelöst. Wenn Menschen hier zusammen sind, gleicht es einem Treffen in einer Kunstgalerie. Diese Sprache darf man als individuelle Kunstwerke betrachten, die der Charakteristik einer Künstlerhandschrift gleichkmmt. Die Darstellung der Bilder übertrifft jede menschliche Fantasie.

Diese Art des Austausches kennt keine Langeweile. Sprechen in Bildern ist eine Kunstform, alle hier sind Gestalter. Zu erwähnen ist, dass man sich hier nie über Geschehenes, oder Vergangenes unterhält. Man kreiert aus Freude dauernd neues. Alles kommt unberührt daher und ist erfrischend neu. Small Talk oder Klatsch ist so nie möglich.

Der Kapitän spaziert auf der gläsernen Plattform und beobachtet die Route seines Fahrzeugs. Eine Kommandozentrale gibt es nicht, weil der Begriff "Kontrolle" nicht verstanden wird. Zwischendurch schaut er zu seinen Passagieren und tauscht Bilder aus mit ihnen. Was immer viel Heiterkeit kreiert.

Der Mitreisende, ein geladener Gast aus der Frühzeit, fragt den Kapitän nach etwas essbarem, was Erstaunen auslöst. Erst nach intensiver und bildhafter Beschreibung mit Hilfe der Arme und der Hände wird sein Wunsch verstanden. Enttäuscht wendet der sich ab, weil sein Appetit nicht gestillt werden kann. Deshalb denkt er an eine Rückkehr in seine bequeme Frühzeit. Ein Sandwich mit Bier würde mir gut tun, denkt er sich. Niemand kann seine unappetitlichen Gedankebider verstehen. Glücklicherweise.

Ein Blick auf die Menschen jedoch ändert seine Idee. Etwas hält ihn hier zurück. Seine Erlebnisse auf dieser Reise haben ihn mit Friede und Gelassenheit erfüllt, was er sich seit langem schon sehnlichst herbei gewünscht hatte.

Soll er zurück in das Atomzeitalter, wo man immer alles haben kann? Wo man alles mit unberechenbaren Schäden erkaufen muss. Wo weder Friede noch Harmonie herrscht. Wo Menschen sich nicht vertrauen und einander nicht beistehen?

Dies hier ist doch erstrebenswert, wenn es auch mit dem Verlust der eigenen, verarmten Sprache verbunden ist und wo man die Vergangenheit unbeachtet lässt. Und wie er selber erfährt, wo Menschlichkeit von Herzen kommt.

Ja, das will er. Er bleibt. Keine Rückkehr im Sinn.

Gut gemacht.

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