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Verlorener Sattel.jpg

Dein verlassener Sitzplatz
Traurig erinnere ich mich an deinen weichen und verwöhnten Hinterteil, links und rechts, diese kräftigen Bewegungen, den steilen Berg hinauf und deine Gelassenhait bei der Talfahrt. Deine liebevolle Massagen haben mich jedesmal auf's neue belebt.

Und jetzt?

Einst hast Du mich geliebt. Du erinnerst dich bestimmt. Unsere Regenwetter? Dank dir fand ich Schutz unter einem Dach. Du hast mir mit der Lederpolitur den verdienten Glanz verliehen. Und diese Ausflüge in's Grüne, an den See und diese vielen Rendes-vous mit Radlerinnen, all diese netten Freundinnen. Als männlicher Sattel weiss ich wovon ich spreche, aber das lass ich mein Geheimnis sein.

Ja! Und jetzt?

Da war plötzlich dieser Lottogewinn, dann der Ferrari vor dem Haus, dann diese junge, entzückende und endlos blabbernde Frau und das Schiebedach. Vom Lippenstift und diese schmierereien.

Ja, einst habe ich dir den grenzenlosen Himmel gezeigt, die Freiheit des Freihandfahrens, im Leerlauf und Vollgas die Berge herab oder den Flug vom Fahrrad in den Misthaufen, wo Fliegen dich willkommen geheissen haben. Jetzt drückst Du das Gaspedal und fühlst dich im siebentem Himmel.

Ich verzeihe dir von Herzen, denn die Zeit mit dir werde ich nie vergessen. Auch jetzt und hier, vollkommen zugrunde gerichtet und auf das Abfuhrwesen wartend, auf der letzten Fahrt, ohne dich mein Geliebter.

Ciao Emilio,
dein Sitzplatz

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